Die Karlsbader Kanne (auch: Bayreuther Kanne) ist eine deutsche Weiterentwicklung der ursprünglich in Frankreich konzipierten »cafetière du Belloy« – einem im späten 18. Jahrhundert entworfenen Kaffeebereiter, der aus 3 Aufsätzen besteht: der Kanne, dem Filteraufsatz und dem Deckel. Das bedeutet, in der Karlsbader Kanne wird der Kaffee nicht nur zubereitet, sondern auch direkt daraus ausgeschenkt. Nach diversen Experimenten mit dem Material zur Herstellung solcher Seihkannen (Silber, Kupfer, Zinn, emailliertes Metall…) bestehen zumindest die Karlsbader Kannen mittlerweile klassischer Weise aus Porzellan.

Im Unterschied zur Bayreuther Kanne, ist die Kaffeekanne der Karlsbader Variante nach außen gewölbt. So ergibt sich eine bauchige Form. Die Bayreuther Modell, das 2007 exklusiv von der österreichischen Porzellanmanufaktur Walküre wiederbelebt wurde, ist hingegen ein flaches, zylindrisches Design; ähnlich wie der Neapolitaner Seihkanne, die allerdings aus Metall hergestellt wird. Anmerkung am Rande: in anglofonen Sprachraum hat der Name »Walküre« seither den ursprünglichen Namen »Karlsbader Kanne« oder »Böhmische Kanne« abgelöst.

Die Karlsbader Kanne war vor dem Ersten Weltkrieg der Kaffeebereiter schlechthin in Wiener Kaffeehäusern. Für einen Kaffee aus diesem Bereiter bestellte man üblicher Weise einen Karlsbader.

Kaffee aus der Karlsbader Kanne gilt als sehr bekömmlich. Und ähnlich wie zum Beispiel die French Press oder der handelsübliche Espressokocher, kommt auch die Karlsbader Kanne ganz ohne Filterpapier aus. Stattdessen wird, nach der traditionellen Zubereitung, grob bis sehr grob gemahlenes Kaffeepulver in den auf der Kanne aufgesetzten Porzellanfilter gegeben. Der Filter wird dann mit einem speziellen Deckel oder Aufsatz verschlossen, in den 6 Löcher eingebracht sind. Darüber wird dann heißes Wasser gegossen, das dann ebenmäßig und stetig durch die Löcher in das Kaffeemehl tropft. Ist das Wasser vollständig durch das Pulver gelaufen, kann der Filteraufsatz entfernt, die Kanne mit einem Deckel verschlossen und der Karlsbader Kaffee direkt aus der Kanne in die Tasse gegossen werden.

Kaffee aus solchen Seihkannen haben typischerweise einen sehr schweren Körper und ganz ohne Kaffeesatz kommt man leider, wie bei allen filterpapierlosen Zubereitungsarten, nicht aus. Bei korrekter Zubereitung sollten sich im Getränk aber dennoch keine groben Kaffeepartikel finden lassen. Die sanfte »Dusche«, bei der die Geschwindigkeit und Menge des Wassers, die gleichzeitig auf das Kaffeepulver trifft, gebremst bzw. gleichmäßig verteilt werden, wirbeln das Kaffeemehl im Filteraufsatz kaum auf. Das verringert die Anzahl an Partikeln, die durch die Filtermaschen in die Karaffe geschwemmt werden.

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