Dass Kaffee nicht gleich Kaffee ist, ist längst kein Geheimnis mehr. Sowohl in Geschmack, in Form und Ansprüchen unterscheiden sich die zwei Hauptsorten Robusta und Arabica voneinander. Über diese Unterschiede haben wir an dieser Stelle schon ausführlich berichtet. Konsequenter Weise sind natürlich auch die Anbauformen von Robusta anders als die von Arabica-Kaffee. Während der eine bevorzugt im Flachland wächst, braucht der andere das feucht-warme Klima der Höhenlagen. Aber das ist noch nicht das Ende der verschiedenartigen Anbaubedingungen für die Kaffees.

Kaffeepflanzen Aufzucht. CafCaf – Kaffee & Blog, Kaffeeblog

Das Anbauschema von Kaffeepflanzen

Arabica hat als einzige Kaffeesorte die Fähigkeit, sich selbst zu bestäuben. Das nimmt den Kaffeebauern viel Arbeit und zumindest ein paar Sorgen um den Kaffeeanbau ab. Bis es aber soweit ist, dass die Arabica-Pflanze sich überhaupt selbst bestäuben kann, geht einige Zeit ins Land.

 

Kaffeezucht aus Samen oder Stecklingen

Um Kaffee anzubauen, haben die Kaffeefarmer bzw. die Züchter zwei Möglichkeiten. Sie können Kaffee aus neuen Samen ziehen, wobei bei einer Samenanzucht oft auch viel Ausschuss dabei ist. Oder aber erwachsene Pflanzen beschneiden und aus Stecklingen neue Kaffeebäume züchten. Letzteres hat den entscheidenden Vorteil, dass die Qualität und genetische Reinheit der Sorte bzw. der Mutterpflanze im Steckling erhalten bleibt. Inwieweit professionelle Züchter sich die Mühe machen, Stecklinge selbst zu ziehen, ist schwer abzuschätzen. Es ist aber nicht unüblich, dass sie sich, besonders dann, wenn sie sich in Kooperativen zusammengeschlossen haben, auf Stecklinge besinnen. Diese werden dann vom Gremium bereitgestellt.

Wie genau funktioniert die Kaffeezucht, wie und wann werden die Kaffeepflanzen geschnitten? Wir haben uns auf unserer vorletzten und letzten Kolumbienreise auf diversen Kaffeefarmen genauer umgeschaut.


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So wird Kaffee aus Samen angebaut

Für die Pflanzenzucht stehen den Bauern meist spezielle Saatbeete zur Verfügung. Dabei sind diese Beete mit Erde, oder auch mit Sand gefüllt. Der Pflanzboden muss mindestens 30 cm tief sein, die Erde locker, sodass Luft und Wasser gut durchlaufen können. Für eine ideale Nährwertversorgung wird oft Humus oder Dünger zugefügt. In den so aufbereiteten Boden werden dann die einzelnen Samen eingepflanzt. Sie dürfen nicht zu tief eingedrückt werden, sonst kommt zu wenig Luft an die Saatkerne.

 

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Kaffeesprößlinge im Sand-Saatbeet


 

Der Standort ist maßgeblich, damit die Aufzucht gelingt. Die Keimlinge wollen keine direkte Sonneneinstrahlung erfahren. Sie werden also im Schatten gezogen. Nach etwa anderthalb Monaten sollten sie gekeimt und das erste Blattpaar entwickelt haben. Wenn es soweit ist, werden sie in einzelne Töpfe, bzw. oft auch in einfache Plastiksäcke, umgesetzt. So entstehen sogenannte »Almacigo«’s , zu deutsch Pflanzenschulbeete. Eine Art Pflegestation, in der die kleinen Kaffeepflänzchen gehegt und versorgt werden, bis sie stark genug sind, um ihren endgültigen Standort zu »beziehen«.

 

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Kaffeepflänzchen bei der Aufzucht


 

Das kann nach vier, fünf Monaten der Fall sein. Je nach Standort kann es aber auch zwischen acht und zwölf Monaten dauern. Dann ist es für die Neupflanzen Zeit, zur Verwandtschaft auf die Plantage zu ziehen. Dazu werden sie in geraden Reihen in ca. 50 x 50 x 50 cm tiefe Löcher gepflanzt. Zwischen den Pflanzen herrscht für genug Wuchsraum ein Abstand von rund drei Metern. Umliegende Bäume sorgen dafür, dass die Pflanzen genau die richtige Dosis Sonne und Schatten abkriegen und so gut anwachsen, bis sie nach rund drei Jahren das erste Mal tragen.

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Junge Kaffeepflanzen auf der Kaffeefarm


 

So kann man Kaffee durch Stecklinge vermehren

Diese Art, Kaffee anzubauen, gewährleistet die Reinheit und Qualität der Kaffeekirschen. Denn durch die Anzucht von Stecklingen werden genetisch bedingte Merkmale mit Sicherheit weitergegeben, ohne dass man experimentieren muss. Hierzu werden Triebe bzw. kleine Zweige von der Mutterpflanze abgeschnitten. Wichtig ist hierbei, einen möglichst glatten Schnitt zu setzen. So hat die ausgewachsene Pflanze weniger Mühe mit dem Heilungsprozess. Entsprechend wenige Stecklinge sollte man von einer einzelnen Pflanze auch abtrennen, um sie nicht zu sehr zu stressen.

Die Stecklinge werden dann weiter geteilt. Von der Mutterpflanze wird zunächst ein gesamtes Blätterpaar abgetrennt. Dieses wird im nächsten Schritt wiederum mit einem sauberen, glatten Schnitt in zwei Einzelblätter geteilt. Dann werden sie in die zuvor vorbereitete Kinderstube gebracht. Heißt, im etwa 5-cm-Abstand zueinander in einen lockeren Humusboden gepflanzt. Hier bleiben die Stecklinge unter Beobachtung und entsprechender Pflege die nächsten Monate. Bei guter Aufzucht sind Wurzeln und Stämme danach stark genug, um sie auf die Plantage zu bringen.

 

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Planung: Eine Kaffeefarm sollte eine ausgewogenes Verhältnis aus alten und jungen Kaffeepflanzen aufweisen.


 

Warum werden Kaffeepflanzen in Reihen angepflanzt?

Die Antwort ist tatsächlich recht simpel. Weil die einzelnen Pflanzen so genügend Raum um sich herum haben, um gesund heranwachsen zu können. Der Platz auf der Plantage wird auf diese Weise ideal ausgenutzt, denn so kann man gut und gerne 1.000 Kaffeebäume auf einem Hektar Land unterbringen. Der Abstand zwischen den Pflanzen bleibt in alle Richtungen gleich. Das gewährleistet, dass jede einzelne die gleichen Chancen hat, zu wachsen. Würde der Anbau unkoordiniert mit unterschiedlichen Abständen zwischen den Pflanzen erfolgen, würden die schwächeren oder zu sehr überschatteten Kaffeebäumchen eingehen. Ein Verlustrisiko für den Kaffeefarmer. Außerdem bleibt bei diesem schematischen Anbau ausreichend Platz für die Plantagenarbeiter, um später die Kaffeekirschen zu ernten oder die Pflanzen bei Bedarf zu beschneiden.

Warum werden Kaffeepflanzen überhaupt beschnitten?

Die Beschneidung von Pflanzen gehört zur Pflege dazu. Das gilt für Zimmerpflanzen genauso wie für die Hecken und Sträucher im Garten und eben auch für Kaffeepflanzen. Denn man möchte ja die besten Voraussetzungen für eine hochwertige Ernte schaffen. Wann also beschneiden die Kaffeefarmer ihre Bäume?

Wenn die Pflanze zu schnell wächst.

Das bedeutet nämlich, dass die Kaffeepflanze zu viele Nährwerte in ihr Wachstum und die Ausbildung von Astwerk steckt. Dann hat sie zu wenig übrig, um genug gesunde Kirschen auszubilden.

Wenn die Kaffeepflanze zu üppig zu werden droht.

Treibt die Pflanze zu viel Astwerk zu unkoordiniert in alle Richtungen aus, wird der Stamm auf Dauer zu schwach, um dem Gewicht des Wildwuchses standzuhalten. Die Pflanze drängt so nebenan wachsende Kaffeebäume zurück, sie sterben ab.

Wenn der Kaffeebaum zu sehr in die Höhe schießt.

Die Pflanzen mancher Kaffeesorten können locker über zehn Meter hoch werden. Das erschwert die Ernte. Einzelne Bäume werden also beschnitten, damit sie nicht zu hoch werden.

Wenn die Bäume zu alt werden.

Alte Kaffeepflanzen tragen nur noch wenige Kirschen. Eine radikale Beschneidung dieser Bäume sorgt dafür, dass sie nochmals neu austreiben. Dabei wird beobachtet, welcher der jungen Triebe am stärksten ist, die schwächeren Triebe werden entfernt. So bekommt der eine, junge Trieb die gesamte Kraft der Pflanze, welche durch ihr hohes Alter große Wurzeln aufweist.

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Radikaler Schnitt: Nach ca. 7 Jahren werden Arabicapflanzen gerne stark geschnitten. In Kolumbien heißt dieser Schnitt »La soca«. Neue Triebe sprießen aus dem Stamm.


 

Die Beschneidung ist bei allen Kaffeepflanzen anders

Dass die Kaffeepflanze anspruchsvoll ist, ist kein Geheimnis. Das gipfelt schlussendlich in der Art, wie die unterschiedlichen Bäumchen beschnitten werden müssen. Überraschender Weise sind es gerade die sonst eher unempfindlicheren Sorten, die sich beim Zurückstutzen als komplizierte Vertreter ihrer Art hervortun. Das hat damit zu tun, wie die Kaffeepflanze aufgebaut ist.

 

So wird Arabica beschnitten

Arabica-Pflanzen, ebenso wie die Bäume von Liberica und Excelsa, haben nur einen mittigen Baumstamm, von dem aus sie Äste austreiben. An diesen Ästen entlang wachsen jedes Jahr und überall Kirschen. Auch an den älteren Astteilen. Diese Kaffeepflanzen kann man leicht im Zaum halten.

 

  • Schneidet man die Baumspitze regelmäßig nach der Ernte zurück, wird die Pflanze nicht höher als zwei Meter.

  • Für guten Wuchs werden die Triebe um den unteren Teil des Stammes in Bodennähe entfernt.

  • Nur die schwachen, dünnen, kurzen Zweige werden ganz nah am Stamm abgetrennt, sodass nur die stärksten Äste bleiben.

  • Schösslinge werden sofort zurückgeschnitten. Sie »klauen« Nährwerte und tragen niemals Früchte.

  • Nach ca. 7 Jahren wird die Arabicapflanze radikal geschnitten (siehe Foto weiter oben). Es bildet sich ein neuer, kraftvoller Trieb aus dem alten Stamm.
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Hauptschnitt bei der Arabicapflanze:
Die Baumspitze wurde im Vorjahr nach der Ernte geschnitten.

 

So werden Robusta-Pflanzen gestutzt

Robusta-Kaffee wächst, wie auch Kouilou oder Petit Indénié, an Pflanzen, die mehrere Hauptstängel austreiben. An den Frucht tragenden Ästen hingegen wachsen nur an einjährigen Triebabschnitten tatsächlich Kaffeekirschen. Das heißt, würde man die Äste nicht stutzen, würden sie zwar immer länger. Die Früchte würden aber nur an den frischen Astspitzen wachsen, die der Kaffeebaum im vorangegangenen Jahr ausgetrieben hat. Längere Zweige bedeuten bei diesen Pflanzen also nicht, mehr Kirschen pro Jahr, sondern tatsächlich einfach nur längere Äste bei gleichbleibend (geringer) Ernte.

Um den Wachstumstrieb dieser Kaffeepflanzen zu stimulieren, werden die jungen Robusta-Bäumchen in die Schräge gebogen und mit Schnüren an Pflöcken fixiert. Am unteren, nun gebogenen Teil des Stammes sprießen so drei bis fünf neue Stämme. Sind diese ein paar Wochen alt, wird der zuvor fixierte Hauptstamm abgeschnitten. Aus dieser Schnittfläche sprießt ein neuer Stängel.

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1. Hauptstamm bei der Robustapflanze wird gebogen. Es sprießen drei bis fünf neue Stämme.

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2. Nach einigen Wochen wird der Hauptstamm der Arabicapflanze radikal geschnitten.

 

An den sozusagen manuell zum Austreiben animierten Hauptstämmen wachsen nun Äste und Zweige. Daran entwickeln sich dann die Kaffeekirschen. In den ersten zwei Jahren wachsen auch bei den Robusta-Jungpflanzen Kirschen den gesamten Ast entlang. Im dritten Jahr wachsen sie nur noch an den neuen Trieben und jungen, vorderen Astteilen. Diese älteren Äste werden entfernt, um frischen Astwuchs an anderer Stelle zu aktivieren; nach drei bis fünf Jahren wird der gesamte Stamm zurückgeschnitten.

An dessen Stelle sprießt dann ein neuer Stängel. Dort treiben wieder neue Zweige aus. Das gerade beschrieben »Spiel« geht von vorne los.

  • Jedes Jahr wird von der Kaffeepflanze ein anderer der Hauptstämme entfernt.

  • Schösslinge, die regelmäßig am untersten Teil der Stämme nachwachsen, sind unbrauchbar und werden immer abgeschnitten.

  • Abgestorbene und ausgetrocknete Äste werden ebenso ständig gestutzt.

Adieu, Halbwissen

Richtig angewendet, ist eine Beschneidung der Kaffeepflanzen eine echte Verjüngungskur. Vor allem bei Robusta-Bäumen hat sich das bewährt. Einerseits, um eine gesunde, ertragreiche Pflanze nicht durch eine neue ersetzen zu müssen. Das garantiert gleichbleibende Qualität und eine frühzeitigere Ernte. Andererseits erleichtert es dem Kaffeefarmer die Arbeit und erhöht seinen Ertrag, wenn er nicht nach fünf Jahren die komplette Pflanze ersetzen muss.

Durch die Beschneidung an den richtigen Stellen, kann ein Kaffeebauer noch einmal das beste aus seinen ausgewachsenen Pflanzen herausholen. Dazu entfernt er alle Stämme der Robusta-Pflanze, bis auf den Hauptstamm und wartet, dass neue austreiben. Wenn die neuen, jungen Stämme stark genug sind, entfernt er den letzten verbliebenen. So hat er seine Kaffeepflanze von allen »Altlasten« befreit. Aus den Wurzeln sprießt eine neue Generation Kaffeestängel, Äste und Kirschen.

Der beste Zeitpunkt zum Stutzen der Kaffeepflanzen und zum Aussetzen der Jungpflanzen auf die Plantagen und Felder ist übrigens der gleiche. Ideal ist der Zeitpunkt nach der Haupternte und der Beginn der Regenzeit. Das garantiert, dass die Pflanzen direkt mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgt werden. So können sie sich schneller von dem invasiven Eingriff erholen, abheilen und haben genug Kraft für den Wachstum zur Verfügung.

Adieu, Halbwissen

 

Richtig angewendet, ist eine Beschneidung der Kaffeepflanzen eine echte Verjüngungskur. Vor allem bei Robusta-Bäumen hat sich das bewährt. Einerseits, um eine gesunde, ertragreiche Pflanze nicht durch eine neue ersetzen zu müssen. Das garantiert gleichbleibende Qualität und eine frühzeitigere Ernte. Andererseits erleichtert es dem Kaffeefarmer die Arbeit und erhöht seinen Ertrag, wenn er nicht nach fünf Jahren die komplette Pflanze ersetzen muss.

Durch die Beschneidung an den richtigen Stellen, kann ein Kaffeebauer noch einmal das beste aus seinen ausgewachsenen Pflanzen herausholen. Dazu entfernt er alle Stämme der Robusta-Pflanze, bis auf den Hauptstamm und wartet, dass neue austreiben. Wenn die neuen, jungen Stämme stark genug sind, entfernt er den letzten verbliebenen. So hat er seine Kaffeepflanze von allen »Altlasten« befreit. Aus den Wurzeln sprießt eine neue Generation Kaffeestängel, Äste und Kirschen.

Der beste Zeitpunkt zum Stutzen der Kaffeepflanzen und zum Aussetzen der Jungpflanzen auf die Plantagen und Felder ist übrigens der gleiche. Ideal ist der Zeitpunkt nach der Haupternte und der Beginn der Regenzeit. Das garantiert, dass die Pflanzen direkt mit ausreichend Wasser und Nährstoffen versorgt werden. So können sie sich schneller von dem invasiven Eingriff erholen, abheilen und haben genug Kraft für den Wachstum zur Verfügung.

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