Wir schreiben das Jahr 1961: Während in Oberitalien die Kunstflugstaffel Frecce Tricolori gegründet wird, die seither bei jedem großen Nationalfeiertag die Farben der italienischen Flagge in den Himmel schreibt, im Vatikan die soziale Enzyklopädie Mater et Magistra erlassen und das von Italien annektierte Südtirol von Separatisten terrorisiert wird, passiert in einer kleinen Kaffeemaschinenmanufaktur in Mailand ein bahnbrechendes Ereignis. Eines, das die Zubereitung von Espresso in Italiens Kaffeebars und später auch darüber hinaus für immer verändern sollte:

 

Die Faema E61 wurde geboren.

Eine Kaffee-Legende: Die Faema E61 Legend. Foto: Wolfgang


 

Die Faema E61. Die erste, nicht mehr ausschließlich manuell bedienbare Espressomaschine der Welt. Die Halbautomatik der E61 machte sich vor allem in der Verwendung einer neuartigen Verdrängungspumpe bemerkbar, die die für guten Espresso notwendigen 9 Bar Druck erstmals mechanisch aufbringen konnte. Auch die Leitungsführung im Innern der E61 verlief anders, als bei den bisherigen Modellen. Dadurch wurde es zum ersten Mal in der Geschichte des Espressokochens möglich, kaltes Wasser zu verwenden, statt das Wasser vorab aufzuheizen.

 

Eine Kaffee-Legende mit eleganter Form: Die Faema E61 Legend. Foto: Chris Kolbu


Das andere Novum der Faema E61 war ihre Brüheinheit. Die ist sogar 2017 noch Maßstab für viele Espressomaschinen. Sogar Brühgruppen anderer Hersteller werden mittlerweile als E61 bezeichnet. Denn die Neuerung im Brühsystem war so tiefgreifend, dass der Begriff E61 irgendwann synonym für das Funktionsprinzip der Brüheinheit übernommen wurde.

 

 

Der Aufbau der E61-Brühgruppe

Die E61 Brühgruppe, also der mechanische Teil der aus der Front der Maschine herausragt, ist so einfach wie genial konstruiert. Kein Wunder also, dass gleich 1961 das Patent dazu eingetragen wurde. Vereinfacht dargestellt, kann man den Aufbau der Brühgruppe wie folgt verstehen:

 

Die wichtigsten Elemente in der E61-Brühgruppe sind drei Ventile: Das Einlassventil, das Preinfusionsventil und das Ablassventil. Durch eine geschickte Mechanik wurde mit der E61-Brühgruppe die Pre-Infusion und damit auch der Coffeeporn geboren, auf die wir weiter unten im Artikel genauer eingehen werden: Also das sanfte Aufweichen des getamperten Kaffeepulvers, bevor der Druck am Kaffeepuk zu steigen beginnt.

 

Die Faema E61 heute

Im Zuge der Zweiten Kaffeewelle – Second Wave of Coffee – zwischen den späten 60er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts erlebte die Faema E61 ein Revival unter Gastronomen und Kaffeefans. Zwar wurde Faema selbst Mitte der Neunziger vom berühmten Hersteller Cimbali übernommen, doch dort ist man sich der Tradition und dem Status der E61 sehr wohl bewusst. Und so wurde zum 40. Jubiläum der wegweisenden Espressomaschine 2001 eine Anniversary-Edition im modernen Design aufgelegt, die unter dem Namen Faema E61 Jubile bzw. E61 Legend noch heute erhältlich ist.

Faema E61, Brühgruppe. CafCaf – Kaffee & Blog, Kaffeeblog

Eine Kaffee-Legende in verschiedenen Ausführungen: Die Faema E61 Legend. Fotos: Chris‘ Coffee


Wie die Faema E61 zu ihrem Namen kam

Der Name der legendären Espressomaschine setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die sich alle um ihre Markteinführung drehen. Während Faema (Fabbrica Apparecchiature Elettro Mecchaniche e Affini) als Firmenname des Herstellers zu Deutsch etwa so viel bedeutet wie »Fabrik elektromaschineller und ähnlicher Apparaturen«, bezieht sich das Kürzel E61 auf das Jahr der Markteinführung. Die Faema E61 kam 1961 in den Handel. Im Februar des gleichen Jahres fand eine totale Sonnenfinsternis statt. Das italienische Wort für Sonnenfinsternis ist Eclisse. Mit dem Anfangsbuchstaben der Eclisse und dem Jahr 1961 setzt sich der Name der Faema E61 also zusammen. Eine wahre Hommage an das Jahr 1961.

Was die Faema E61 so legendär macht ist die Tatsache, dass es die erste halbautomatische Gastronomie-Espressomaschine war, die durchaus auch für den Hausgebrauch interessant war und ist. Außerdem wurde bei der E61 eine neuartige Brühgruppe verbaut, die das Espressokochen deutlich vereinfachte und effizienter machte. Ein Novum, das sich für italienische Barbesitzer mehr als rentiert hat. Denn wer sich mit der italienischen Kaffeekultur ein wenig auskennt, weiß, welch große Rolle die Kaffeebar darin spielt. Mehrere Espressos über den Vormittag und frühen Nachmittag verteilt werden mit Vorliebe am Tresen der nahegelegenen Kaffeebar eingenommen.

Und dank der E61-Brühgruppe konnte die Nachfrage plötzlich sehr viel besser bedient werden. Wenn man es so will, ist die Brüheinheit der Faema E61 die Mutter aller Brühgruppen. Auf ihr basieren bis heute auch viele der modernsten Brühgruppen, die bei jeder Espressomaschine das Herzstück darstellen. 

 

 

Wie die E61 Brühgruppe und die Pre-Infusion funktionieren

a) Durch das Betätigen des Hebes öffnet sich das Einlassventil (1), das Preinfusions-Ventil schließt.

b) Das Wasser feuchtet das Kaffeepulver (2) ohne Druck an, bis die Brühkammer vollständig mit Wasser gefüllt ist. 

c) Die Pre-Infusionskammer füllt sich (3). Der Druck am Kaffeepulver steigt langsam an.

d) Die Pre-Infusionskammer ist gefüllt, die Extraktion ist bei 9 Bar am Kaffeepulver (4) im vollen Gange. 

 

Der Thermosyphon in der Faema E61

Die Faema E61 war die erste ihrer Art, die in Form eines Thermosyphon entwickelt wurde. Der Thermosyphon ist ein mechanisches System, das das erhitzte Wasser aus dem Wärmetauscher auf Temperatur hält. Dabei steigt das heiße Wasser in die Brühgruppe auf, wobei die Temperatur bereits zu sinken beginnt. Die kühleren Wassereinheiten fließen dank dem Thermosyphon von der Brühgruppe wieder zurück in den Wärmetauscher wo sie erneut auf Temperatur gebracht werden und wieder nach oben in die Brühgruppe gepumpt werden. Am besten funktioniert der Thermosyphon in Zweikreisermaschinen. Warum? Weil er bei diesen Maschinentypen über zwei Stellen mit dem Wärmetauscher verbunden ist. Das garantiert den ständigen Austausch des Wassers zwischen Brüheinheit und Wärmetauscher.

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Warum ein Thermosyphon so effektiv ist

Der Thermosyphon ist das Teil, das die Brühgruppe der Faema E61 so innovativ und effektiv macht. Denn dank dem Thermosyphonsystem wird garantiert, dass die Brühgruppe auf die richtige Temperatur aufgeheizt wird und somit immer die richtige Ausgangstemperatur für einen Espresso hat. Das bedeutet, dass man kann bei einer Espressomaschine mit E61-Brühgruppe auch mit kühlem, frischem Wasser arbeiten kann. Der Zu- und Ablauf von richtig temperiertem Wasser stellt sicher, dass der Espresso mit gleichbleibender Geschmacksintensität gebrüht wird – vorausgesetzt natürlich, alle anderen Komponenten, wie Kaffeequalität, Pulvermenge und Druck, stimmen.

 

Eine Kaffee-Legende mit eleganter Form: Die Faema E61 Legend. Foto: Peter diAntoni


 

Der Vorteil ist, dass auch die historischen Modelle dank der Jubiläumsmodelle jederzeit mit Ersatzteilen versehen werden kann. Sollte es denn mal nötig sein. Das ist vor allem dann interessant, wenn die E61 tatsächlich auch zur Zubereitung von Espresso verwendet werden soll. Die Originalmaschinen sind teilweise bis heute im Einsatz. Damit ist die E61 wohl eine der zuverlässigsten Espressomaschinen überhaupt.

Wenn die Faema E61 nur als Deko-Element dienen soll, könnt ihr mit etwas weniger Kosten rechnen. Die unrestaurierten Espressomaschinen sind etwas günstiger zu haben, als die aufbereiteten funktionalen.

Was denkt ihr über die Espressolegende Faema E61?

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