Emaille, das kennt der ein oder andere vermutlich noch aus Großmutters Küche. Weit verbreitet war Emaille-Geschirr in Weiß mit dunkelblauem Rand. Aus deutschen Küchen ist das auch als Schmelzglas bekannte Material weitestgehend verschwunden. Was hierzulande ein Relikt aus grauer Vorzeit zu sein scheint und höchstens noch bei Outdoor-Fans hoch im Kurs steht, kommt auf den Kaffeefarmen Kolumbiens noch heute eifrig zum Einsatz. In Form von Emaille-Kaffeetassen.

Emaille Tassen: Nostalgie und Moderne. CafCaf.de – Kaffee & Blog, Kaffeeblog
Emaille Tassen: Nostalgie und Moderne. CafCaf.de – Kaffee & Blog, Kaffeeblog

Mit Liebe verzierte Emaille-Tasse, gesehen auf unserer Kolumbienreise und in unserem Kolumbien Dokumentarfilm.
Foto: Maik Reichert (KUKUKK Berlin)


 

Was ist Emaille?

Emaille ist ein Gemisch unterschiedlicher, anorganischer Werkstoffe, das zum Glasieren verschiedener Trägermaterialien wie Metalle oder Glas dient. Wie eine Art Lack wird Emaille auf die Ausgangsstoffe aufgetragen und später durch ein Schmelzverfahren ausgehärtet. Heutzutage findet Emaille vor allem im Kunsthandwerk noch Anwendung. Und in diesem Bereich kann der Werkstoff auch auf eine Jahrtausende alte Tradition zurückblicken.

 

Ein Material aus vorchristlicher Zeit

Das älteste Werkstück aus Emaille, das (bisher) je gefunden wurde, datieren Experten auf 3500 vor Christus. Es handelt sich dabei um eine Grabbeigabe, die bei archäologischen Grabungen auf Zypern zu Tage befördert wurden. Von den Mykenern fand die Emaille-Technik ihren Weg zu den Kelten, die als erster germanischer Volksstamm dieses Material kannten und Einsetzen. Vor allem zu Reparaturzwecken.

Im ausgehenden frühen Mittelalter war Emaille ein begehrter Werkstoff bei Goldschmieden. Das Zentrum der Emaille-Kunst im heutigen Deutschland war die Stadt Trier. Doch auch in anderen Ländern Europas war Emaille weit verbreitet. Im Markusdom von Venedig kann man noch heute ein Altarbild aus Gold, Silver und Juwelen bewundern, an dem auch 83 Emaille-Bilder und 74 Emaille-Medaillons angebracht sind.


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Emaille in der Moderne

In der Moderne wurde Emaille weiterentwickelt und fand Einzug in die Industrie, wo es als Technisches Emaille zunächst vor allem als Korrosionsschutz verwendet wurde – unter anderem beim eingangs erwähnten Geschirr aus Omas Zeiten. Weil man damals noch keinen rostfreien Edelstahl kannte, musste das verwendete Metall anderweitig gegen Oxidierung geschützt werden. Emaille galt als hygienisch, pflegeleicht und langlebig, sodass es nicht lange dauerte, bis der Schutzüberzug auch für Sanitärobjekte eingesetzte wurde, wodurch man endlich die schweren Gusseisenbadewannen ersetzen konnte.

Dabei wurde Emaille stetig weiterentwickelt und ist heutzutage sogar als antibakterielles, abriebfestes und leitfähig gemachtes Material erhältlich. Als solches kommt es in der Industrie in verschiedensten Bereichen zum Einsatz. Mit der Kaffeetasse aus Emaille hat das aber nichts mehr zu tun. Und um die soll es hier ja schließlich gehen.

Emaille Tassen: Nostalgie und Moderne. CafCaf.de – Kaffee & Blog, Kaffeeblog
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Ein kleines, in die Jahre gekommenes Emaille-Tässchen mitten in der kolumbianischen Sierra Nevada.


 

Was macht die Kaffeetassen aus Emaille so beliebt?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich eigentlich nur mal die Materialeigenschaften von Emaille ansehen. Die Lackierung mit Emaille macht das Gebrauchsobjekt widerstandsfähig gegen Schnitte und Kratzer, gegen Säure und Laugen, gegen Abrieb und UV-Einstrahlung. Sie verleiht ihnen darüber hinaus antibakterielle und antiallergische Eigenschaften, macht sie geruchsneutral und geschmacksneutral – sprich: höchst lebensmittelfreundlich.

Geschirr aus Emaille ist bis 450°C hitzebeständig und ist nicht leitfähig. Das heißt, es speichert Wärme. Und für Kaffee bedeutet das: Er bleibt in Emailletassen länger warm. Dass sich Kaffeetassen aus Emaille nun ausgerechnet auf kolumbianischen Kaffeefarmen so großer Beliebtheit erfreuen, dürfte aber nicht nur daran liegen, dass der Kaffee lange warmgehalten wird. Schließlich schmeckt guter Kaffee auch kalt.

Emaillekaffeetassen sind nämlich mehr als die Summe ihrer Teile. Neben ihrer Langlebigkeit, ihrer Pflegeleichtigkeit und Witterungsbeständigkeit, hat Emaillegeschirr in Kolumbien auch eine gewisse Tradition. Emaille repräsentiert das Landleben, das viele Kolumbianer – und Kaffeefarmer umso mehr – führen. Lucía Tapiero, Gründungsmitglied einer Emaillegeschirr-Manufaktur in Bogotá, bezeichnet Emaille als eine Art kulturelles Erbe: »Auf bestimmte Weise hat es dank unserer Mütter und Großmütter immer zu unserem Leben und unseren Erinnerungen dazugehört.«

 

Emaille Tassen: Nostalgie und Moderne. CafCaf.de – Kaffee & Blog, Kaffeeblog
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Neben Emaille-Tassen sind auch sogenannte »Olletas« typisch für die Kaffeezubereitung auf kolumbianischen Farmen. Auch zu sehen in unserem Kolumbien-Dokumentarfilm. Foto: Maik Reichert (KUKUKK Berlin)


 

Emaille Tassen: Nostalgie und Moderne. CafCaf.de – Kaffee & Blog, Kaffeeblog
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Unser amigo Eduardo auf seiner Kaffeefarm, beim Kaffee trinken aus Emaille-Tassen. Auch zu sehen in unserem Kolumbien-Dokumentarfilm. Foto: Maik Reichert (KUKUKK Berlin)


Design mit Wiedererkennungswert

Kaffeetassen aus Emaille erkennt man oft schon auf den ersten Blick. Das liegt am typischen Design, an dem selbst heutzutage, wie eine Art Nachruf, festgehalten wird. Natürlich könnte man Emailletassen auch an der Form herkömmlichen Porzellangeschirrs, wie zum Beispiel dem Designklassiker ACF – die perfekten Tassen, orientiert designen. Aber irgendwie würden sie dadurch auch an Charakter einbüßen.

Die klassische Form einer Kaffeetasse aus Emaille ist dem speziellen Seitenverhältnis geschuldet. Diese stehen nämlich oftmals in einem fast 1:1-Verhältnis, die Tassen sind also fast so breit wie hoch. Auch der traditionelle Farbkontrast spielt dem hohen Wiedererkennungswert der Emailletassen in die Hände. Wenn es sich nicht um eine weiße Tasse mit dunkel abgesetztem Rand handelt, dann heben sich die Farbe außen und innen meist deutlich sichtbar voneinander ab.

Ganz stilechte Vintage-Modelle sind in Deutschland komplett weiß mit einem dunkelblauen Becherrand. Doch auch bunte Emaille-Tassen mit weißen Innenseiten sind auf den ersten Blick als Kaffeetasse aus Emaille erkennbar. Vielleicht liegt’s auch am charakteristischen Henkel, der bei klassischen Emailletassen recht klein und rund ist?! Moderne Interpretationen der traditionellen Tassen gibt es zwischenzeitlich aber durchaus auch mit großen, ergonomischen Henkeln – ohne, dass der Look der Tassen dadurch gestört würde.

Adieu, Halbwissen

Dass Emaille in unseren Küchen Einzug halten konnte, verdanken wir dem Wiener Adolf Martin Pleischl, seinerzeit Chemiker und Mediziner. Ihm gelang es im 19. Jahrhundert, genauer gesagt 1836, erstmals, eine Emaillelegierung herzustellen, die ohne den gesundheitsgefährdenden Bestandteil Blei auskam und so ohne Risiko auch abseits der Schmuck- und Handwerksmanufakturen in Kontakt mit Lebensmitteln kommen konnte. Flugs gründete Pleischl im Zuge seiner Entdeckung seine eigene und damit Europas erste Emaille-Fabrik für Küchenutensilien und Geschirr.

In Österreich, dem Heimatland des Chemikers, gibt es (Stand: heute) nur noch eine einzige Manufaktur, die Emaillegeschirr herstellt. Und zwar seit 1922. In Deutschland gibt es immerhin eine Handvoll Manufakturen, die sich dem robusten Material auf industriellem und handwerklichem Level widmen. In den letzten Jahren rückte Emaille wieder mehr ins Blickfeld der Konsumenten. Auch abseits der Campingplätze, Trackingpfade und Wanderwege dieser Welt. Ob’s am Retro-Charme liegt oder doch an den vorteilhaften Materialeigenschaften? Man weiß es nicht…

Adieu, Halbwissen

 

Dass Emaille in unseren Küchen Einzug halten konnte, verdanken wir dem Wiener Adolf Martin Pleischl, seinerzeit Chemiker und Mediziner. Ihm gelang es im 19. Jahrhundert, genauer gesagt 1836, erstmals, eine Emaillelegierung herzustellen, die ohne den gesundheitsgefährdenden Bestandteil Blei auskam und so ohne Risiko auch abseits der Schmuck- und Handwerksmanufakturen in Kontakt mit Lebensmitteln kommen konnte. Flugs gründete Pleischl im Zuge seiner Entdeckung seine eigene und damit Europas erste Emaille-Fabrik für Küchenutensilien und Geschirr.

In Österreich, dem Heimatland des Chemikers, gibt es (Stand: heute) nur noch eine einzige Manufaktur, die Emaillegeschirr herstellt. Und zwar seit 1922. In Deutschland gibt es immerhin eine Handvoll Manufakturen, die sich dem robusten Material auf industriellem und handwerklichem Level widmen. In den letzten Jahren rückte Emaille wieder mehr ins Blickfeld der Konsumenten. Auch abseits der Campingplätze, Trackingpfade und Wanderwege dieser Welt. Ob’s am Retro-Charme liegt oder doch an den vorteilhaften Materialeigenschaften? Man weiß es nicht…

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