Dass wir heutzutage zu den Nationen mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kaffee zählen, verdanken wir dem Botaniker und Forscher Leonhard Rauwolf. Er war der erste Europäer, der Kaffee in unsere Gefilde importierte, nachdem er ihn bei einer Forschungsreise durchs Osmanische Reich kennengelernt hatte.

Unglaublich aber wahr: Selbst Europas Kaffeenation Nummer Eins, Italien, lernte den Kaffee erst etwa 20 Jahre nach uns Deutschen kennen. Das haben sie aber durch die Etablierung ihrer Kaffeekultur (oder sollte ich besser ihres Kaffeekultes sagen?), für die sie weltberühmt sind, wieder wett gemacht. Und doch gibt es eine Sache, die deutsche und italienische Kaffeekultur gemeinsam haben: Beide Länder müssen ihren Kaffee nach wie vor importieren. Beide Länder bieten den Kaffeepflanzen nicht die Bedingungen, die sie sie für eine erfolgreiche Kultivierung benötigen würden.

Natürlich kann man sich Robusta- oder Arabicapflanzen ins Wohnzimmer (klimatisch besser sind eigentlich Badezimmer oder Küche geeignet) holen und mit etwas Glück irgendwann sogar ein paar Bohnen ernten. Von richtigem Kaffeeanbau kann man dabei aber kaum sprechen.

Klassische Kaffeeanbauländer

Zu den klassischen Herkunftsländern des braunen Goldes zählen bekannterweise der afrikanische Kontinent, große Teile Asiens und Südamerikas. Die berühmtesten dürften dabei Brasilien und Kolumbien, Ecuador und Guatemala, Kenia, Tansania und Angola, sowie Indien, Vietnam, Sumatra und Java sein.

Tonnen/Jahr: Brasilien

Tonnen/Jahr: Vietnam

Tonnen/Jahr: Indonesien

Tonnen/Jahr: Kolumbien

Weniger bekannte Kaffeeländer

Doch es gibt auch Kaffeeanbaugebiete, die Durchschnittskaffeetrinker nicht zwingend auf dem Schirm haben. Das liegt zum einen daran, dass man die Region nicht unmittelbar mit Kaffeekultivierung in Verbindung bringt. Zum anderen daran, dass die Erträge meist sehr viel geringer sind und der Vertrieb damit größtenteils auf die Anbaugebiete beschränkt ist.

So wächst zum Beispiel der Spezialitätenkaffee Blue Mountain Coffee ausschließlich in der nebelverhangenen Gebirgswelt Jamaikas. Der Kopi Luwak, wenngleich längst unter fragwürdigen Bedingungen produziert, stammt aus dem indochinesischen Raum. Und sogar Europa hat einen anerkannten Exklusivkaffee: den Arábica Typica aus Gran Canaria.

Arabicakaffee aus Gran Canaria

Gran Canaria ist die drittgrößte der kanarischen Inseln und eine bei rund 3 Millionen Europäern beliebte Urlaubsdestination. Die Kanareninsel besitzt dank ihrer geografischen Lage und ihres vulkanischen Ursprungs 14 Mikroklimazonen, was sie zu einem besonders abwechslungsreichen Eiland macht. Dschungelartige Gebiete treffen hier auf schroffe Felsgegenden, Sandstrände und geschmeidige Buchten auf Tundra’eske Landstriche.

 

CafCaf Kaffee Blog, Kaffeeblog: Kaffee aus Europa
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Dieses für europäische Gefilde einzigartig differenzierte Klima macht Gran Canaria zu einer besonders fruchtbaren Insel. Hier wachsen Zitrusfrüchte in Hülle und Fülle, exotische Obstsorten, intensiv duftende Blumen und Pflanzenarten, würziger Wein und eben jener aromatische Arabicakaffee, den die einheimischen Kaffeebauern bereits seit dem 18. Jahrhundert in traditionellen Familienbetrieben kultivieren.

Während die Tradition des Kaffeeanbaus in Europa, wie etwa in Griechenland, weitgehend in Vergessenheit geraten ist, betreiben die kanarischen Kaffeebauern ihre Tradition noch immer mit Leidenschaft, Herzblut und viel Verständnis für guten Kaffee.

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Touristenattraktion Kaffeeplantage

Die verbliebenen Kaffeebauern auf Gran Canaria vermitteln auf ihren Fincas gerne Einblick in den Anbau von Kaffee und Wein auf der Insel. Viele von ihnen bieten Führungen an und Verköstigungen. Und die einzige Möglichkeit, diesen exklusiven Kaffee zu erstehen.

Denn auch, wenn Kaffee und Wein gleichermaßen üppig und aromatisch in Gran Canarias Inselinnern gedeihen: Die Arabicapflanzen werfen einen relativ geringen Ertrag ab. So kommen die Kaffeebauern auf Gran Canaria oft nur auf 1,5 bis 2 Tonnen Rohkaffee – ein Bruchteil dessen, was Großplantagen in den klassischen Kaffeenationen zum Export erwirtschaften.

Doch die Exklusivität des europäischen Kaffees hat auch einen Vorteil: Sie hält die Jahrhunderte alte Kaffeetradition auf Gran Canaria am Leben. Je mehr Touristen sich für die Spezialität interessieren, desto länger können sich die verbliebenen Kaffeebauern von Valle de Agaete den Anbau dieser mittlerweile von der Specialty Coffee Association of America ausgezeichnete Gourmetkaffee erlauben. Und, wenn auch nicht die Welt, so können sie doch zumindest Europa um eine besonders fruchtige Arabicakaffeesorte bereichern.

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Was den Arábica Typica aus Gran Canaria besonders macht?

Dass der Arabicakaffee aus Gran Canaria kein alltäglicher Kaffee aus dem Supermarkt um die Ecke ist, dürfte klar sein. Dafür ist sein Anbaugebiet viel zu exklusiv. Nicht nur, dass Gran Canaria die einzige der kanarischen Inseln ist, auf der Kaffee angebaut wird; es ist auch das einzige Kaffeeanbaugebiet in ganz Europa. Weil die kanarischen Kaffeebauern damit eine einzigartige Nische besetzen, ist der Arábica Typica aus Gran Canaria schon per se eine Kaffeebesonderheit.

Die Anerkennung als Spezialitätenkaffee durch die SCAA betont die Exklusivität des einzigen Kaffees aus Europa zusätzlich. Und nicht zuletzt spielt auch die typische Geschmackskomponente, die die Auszeichnung durch den SCAA überhaupt erst ermöglicht hat, dieser Arabicasorte eine Rolle.

 

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Und wie schmeckt der Kaffee aus Europa?

Ich bin selbst noch nicht in den Genuss des kanarischen Kaffees gekommen. Doch Kaffeebauern, Sommeliers und Fincabesucher beschreiben das Aroma als auffällig fruchtig mit exotischem Einschlag und karamelligem Abgang. Die Anbauregion des einzigen europäischen Kaffees dürfte diesen mild-fruchtigen Geschmack des Arabicas unterstützen; nicht nur, dass Arabica klassischer Weise ohnehin differenziertere Aromen ausbildet als ein Tieflandkaffee. Auch die Erde, in der er wächst, die Luft und die gesamte Umgebung beeinflussen die für die Geschmacksnuancen verantwortlichen Öle in der Kaffeebohne nachhaltig. Das hat Kaffee durchaus mit Wein gemeinsam.

Die Qualität des Bodens macht den Geschmack. Und wenn eine Kaffeepflanze zwischen wildem Jasmin, Orangen, Mangos, Papayas und Guaven, Bananen, Avocados, Wein und Mispeln gedeiht… bei mildem Mittelmeerklima gemächlich wachsen kann… und dann noch liebevoll von Hand gepflückt und langsam schonend geröstet wird… dann muss das quasi zwangsläufig zu einem besonderen Kaffeegenuss mit exotischem Touch führen.

Und das alles in Europa? Das ändert meine todo-Urlaubsliste für Europa auf einen Schlag.

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