CafCaf Kaffee Blog, Kaffeeblog
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In London gibt es sogar eine Bar, in der »London Eau« verkauft wird, Wasser aus der Themse, das aus dem Fluss an Stellen in verschiedenen Stadtteilen entnommen und gefiltert wurde – »London Bridge« für den etwas konventionelleren, touristischen Geschmack, »Lambeth« ein bisschen edgier und aufregender. Ein Glas Wasser kostet nur 6,79 GBP. Okay… Bei dieser Meldung handelt es sich um einen Aprilscherz des Evening Standard vom letzten Jahr. Aber die breite Auswahl eines Getränks, das sorgfältig aus einer Karaffe in ein Einmachglas geschenkt wird und den Konsumenten zum Sinnieren anregt gehört doch in vielen Cafés und Kneipen auf der ganzen Welt – nicht nur in Hipstermetropolen, zunehmend auch in der Provinz – zum Alltag, weshalb ja auch so einige auf die nur vermeintlich neue Wasser-Spezialität aus London reinfallen konnten. Es gibt vielerorts auch die tollsten Bier- und Gin-Paletten, von Wein ganz zu schweigen, nur fehlt viel zu oft unser aller Lieblingsgetränk auf der Liste. Und das, obwohl Kaffee doch auch Gourmet ist!

 

Daher äußern wir jetzt einen konkreten Wunsch in einem Brief an die Caf-Fee und schildern ihr, ganz ernstgemeint, die Beobachtungen einer besorgten Kaffeetrinkerin.

Liebe Caf-Fee,

..gestern Abend ist es mal wieder länger geworden. Sorry also wenn du nicht jedes Wort entziffern kannst, ich nicke zwischendrin immer wieder ein. Zum Glück hatte ich noch eine richtig starke Robusta-Röstung und habe mir erst einmal einen doppelten Espresso reingehauen. Und dann noch einen. Auf einen dritten habe ich nur verzichtet, weil ich es anstrengend fand, den schweren Siebträger zu heben. Mein Herz rast jetzt ein bisschen, aber das lenkt mich von dem Brummen in meinem Kopf ab. Meine Gäng und ich waren ein bisschen Party machen, den konkreten Anlass habe ich auch schon wieder vergessen, wahrscheinlich ist wieder jemand 30 geworden.

Naja, auf jeden Fall waren wir in einer sehr netten Bar, die aussieht wie das Wohnzimmer von mindestens fünf verschiedenen WGs zusammengemasht und als es ans Auswählen der Getränke ging, hatten wir die Qual der Wahl. In Abhängigkeit davon, was wir zuvor gegessen, worauf wir gerade Lust hatten oder was wir nie und nimmer in einem Glas erwartet hätten (Mohn! Mediterrane Kräuter!) wurde uns eine schier unendliche Palette an Gins präsentiert, die dann natürlich jeweils auch mit einem dazu passenden Tonic Water (nicht aus der Themse; sondern Light oder Dry oder FeverTreesMediterranean) vermengt wurde. Das Geschmackserlebnis war kein Erlebnis, sondern eine Explosion. Auf molekularer Ebene lief nämlich in dem Glas eine chemische Reaktion ab: die Chinin-Moleküle aus dem Tonic Water und die der ätherischen Öle, die bei der Gin-Herstellung aus den Wacholderbeeren entstehen, haben sich aufgrund ihrer ähnlichen Beschaffenheit zu einer, für den Geschmack förderlichen, Struktur zusammengefügt. Aber das nur am Rande. Und was die riesige Bandbreite an Craft-Bieren angeht (mittlerweile können Hopfen so lange verzaubert werden, bis sie nach Kiwi oder Litschi schmecken und das nichts mit einem Biermischgetränk aus den Nullerjahren zu tun hat) – da wird einem ja sogar nüchtern schwindlig. Aber was ist denn in der Hinsicht mit Kaffee, dem Getränk, nach dem sich jede Faser meines Wesens morgens und mittags (und manchmal auch abends) sehnt?

Ich schreibe dir,
liebe Caf-Fee,

..damit du dafür sorgst, dass niemand mehr in einem Café solch bedeutungsleere Dinge wie »Ein Kaffee, bitte!« sagt – das ist nämlich so, als würde man in einem Restaurant zur Bedienung sagen: »Bringen Sie mir eine Vorspeise und danach ein Stück Fleisch.« Das sagt doch niemand! Ich wünsche mir, dass das Bewusstsein dafür wächst, dass es nicht nur irgendeinen Filterkaffee gibt, sondern zigtausend verschiedene Bohnen aus unterschiedlichen Anbaugebieten, die, je nach Röstung, ganz unterschiedlich schmecken und von denen man erst dann wirklich etwas hat, wenn man sie in der richtigen (oder von den individuellen Vorlieben abhängigen) Mühle mahlt, den richtigen Mahlgrad einstellt, auf den rustikalen Handfilter oder eine komplizierte Maschine zurückgreift und schließlich mit der dazu passenden Milch mischt..

In Ordnung, ich verstehe, dass sich das in der Realität nicht bis ins Detail in jedem Café so umsetzen lässt: möchte man ganz pingelig sein, braucht man nämlich für jede Kaffeebohne eine eigene Mühle, da man die nicht für jeden Bezug komplett frei bekommt für die neue Bohne. Und die Mühle muss ja für jede Bohne neu eingestellt werden, wobei meistens ein paar Espressi draufgehen, bis das Optimum gefunden ist. Das erklärt auch, warum es meistens maximal 1-3 verschiedene Sorten gleichzeitig zu bestellen gibt, und man erst am nächsten Tag ohne Probleme neue Sorten probieren kann. Aber ein erster Schritt in die Richtung eines abwechslungsreicheren, experimentierfreudigen und schlichtweg schöneren Kaffeezeitalters wäre es, und da kommt deine Überzeugungskunst ins Spiel, ..

..ich rede mit DIR, Caf-Fee,

..dafür zu sorgen, dass es in jeder Kaffeebar zumindest eine neapolitanische, dunkle, nussig-schokoladige und mindestens noch eine hell geröstete, eher fruchtige Kaffeebohnenmischung zur Auswahl gibt. Meine Erfahrung zeigt, dass sich die Welt der KaffeetrinkerInnen grob in #TeamChoco und #TeamFruity aufteilen lässt, und für das Finetuning könnte es dann auch unterschiedliche Arten von Milch geben, Kuh-, Soya- und Hafermilch zum Beispiel.

 

Der Schlussapell

Der Alltag ist doch oftmals eintönig genug und viel zu viele Menschen schütten täglich viel zu viele Liter eines (lau)warmen Getränks, das »Kaffee« zu nennen an eine Lüge grenzt, in sich hinein; da ist es die Aufgabe einer guten Kaffeebar, ein Ort zu sein, an dem die Eintönigkeit aufhört und die Wertschätzung beginnt.

Experimentierfreudigkeit ist doch nur eine Seite der Medaille, es geht uns bei unserem Appell auch darum, dass wir mit mehr Bedacht mit diesem besonderen Getränk umgehen, das doch auch ein Luxusgut ist. Das Leben ist zu kurz für Beliebigkeit und fad schmeckende Plörre. Man sollte sich Zeit nehmen, herauszufinden, welche Kombination wirklich den erhofften aromatischen Kick oder angenehmen Entspannungsmoment liefert. Denn, nur um das Ganze mal in einen größeren Kontext zu setzen: wenn es schon Bars gibt, in denen viele Dutzend verschiedene Cerealien mit mehr als 10 verschiedenen Milchsorten (Oreos mit Kokosmilch!?) angeboten werden, dann ist es wirklich allerhöchste Zeit dafür, dass der Eintrag »Kaffee« von jeder Menükarte gestrichen wird und mit einem mutigen Kaffee* ersetzt wird.

Das Sternchen wird dann auf einer separaten Seite weiter ausgeführt und wir schmökern genüsslich. Kriegst du das hin, liebe Caf-Fee? Ich warte gespannt, und der ganze CafCaf-Blog ebenso.

Nochmals, liebe Caf-Fee: Es ist wirklich allerhöchste Zeit dafür, dass der Eintrag »Kaffee« von jeder Menükarte gestrichen wird und mit einem mutigen Kaffee* ersetzt wird.

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»Wir hören denen zu, die seit Jahrzehnten in den Kaffeefeldern arbeiten. Wir lernen von ihnen. Wir besuchen alte kolumbianische Freunde und haben neue gewonnen. Wie zum Beispiel Luz María, die uns auf ihre Familienfarm einlud.«

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