Mit einer Verspätung von schlappen sechs Jahren schafft es ein weiterer amerikanischer Kaffeetrend nun über den großen Teich und hinter die Theken deutscher Starbucksfilialen: Der Nitro Coffee. Während Quellen sich darüber streiten, ob der mit Stickstoff versetzte Kaffee tatsächlich vom Kaffeehausriesen Starbucks erfunden wurde oder nicht doch eher die 2011er Zufallserfindung eines Brooklyner Baristas ist, können sich Kaffeefans über eine neue Art des Koffeinkicks freuen.

Euch ist schnöder Cold Brew zu simpel und Flat White zu hipster? Dann lernt den aktuellen Trendkaffee kennen: Den mit Stickstoff versetzten Eiskaffee aus dem Zapfhahn.

Cold Brew aus dem Zapfhahn = Nitro Coffee

Ja, richtig gehört: Nitro Coffee wird, wie Bier, aus einem Zapfhahn serviert. Auch die Konsistenz, Textur und Farbe des Kaffeegetränks erinnern an frisch gezapftes Stout. Geschmeidig, unverfälscht und seidig soll sich der Nitro Coffee zunächst aus dem Zapfhahn ins Glas und von dort in den Mundraum des Kaffeetrinkers ergießen. Damit sorgt der neueste Kaffeetrend nicht nur für ein neues Geschmackserlebnis, sondern auch für ein neues Trinkgefühl. Geschmacklich allerdings hat Nitro Coffee mit Starkbier so wirklich nichts zu tun. Stattdessen erinnert er an einen cremigen, gesüßten Cold-Brew-Kaffee. Sowohl Cremigkeit, als auch Süße erhält der »kalte Kaffee« aus dem Zapfhahn eben durch die Zugabe des Stickstoffes.

 

Wieso Stickstoff Nitro Coffee süß macht

Stickstoff oder auch Nitrogenium ist ein transparentes, geruchsloses Gas, dessen Verwendung in der Küche sich beim sogenannten Cryo-Cooking längst einen Namen gemacht hat. Nun hat es das zweiatomische Gas also auch in die Kaffeeküchen der Welt geschafft.

Stickstoff ist in Flüssigkeit sehr gut löslich, das heißt, er sorgt für feinere Blubberblasen beim Aufsprudeln – egal, ob Bier oder Kaffee. Im Vergleich zu kohlesäurehaltigem Wasser, bei dem man das Aufsteigen und den Verlust der Gasblasen förmlich beobachten kann, halten sich die kleineren, dichteren Blasen von Stickstoff in Getränken länger. So bleibt auch die Schaumkrone länger fest und der Kaffee wird cremiger.

Dass Stickstoff den Nitro Coffee süßer schmecken lässt, liegt einerseits daran, dass die feineren Sprudelblasen anders mit den Geschmacksknospen auf der Zunge agieren bzw. andere Rezeptorenzonen auf der Zunge ansprechen. Andererseits ist es aber auch so, dass bestimmte Nitroderivate per se süß sind. Teilweise sogar tausend Mal süßer als Rohrzucker. Auch in einigen Nusssorten ist der hohe Stickstoffanteil für deren süßen (Nach-) Geschmack mit verantwortlich.

Während Sauerstoff und Kohlensäure also die Geschmacksknospen kitzeln, die für saure Geschmacksrichtungen verantwortlich sind, sprechen die Rezeptoren für Süßes auf den Stickstoff im Nitro Coffee an. Zusätzlich verstärkt wird der Eindruck von Süße sicher von der eigenen Erwartungshaltung: Die cremige Substanz des Nitro Coffee und die kognitive Wahrnehmung des Stickstoffschaumes bereiten das Gehirn auf ein süßes Geschmackserlebnis geradezu vor.

 

Nitro Coffee. Foto: Tony Amato


 

Wie Nitro Coffee gemacht wird

Bei Kaffeeketten wie Starbucks kommt der Nitro Coffee aus dem Zapfhahn. Damit das funktioniert, muss zunächst der Kaffee ins Fass, das wiederum an die Zapfanlage angeschlossen wird. Die Basis für einen guten Nitro Coffee ist Cold-Brew-Kaffee. Warum? Weil heiß gebrühter Kaffee, den man abgekühlt hat oder kalt hat werden lassen, nicht schmeckt. Das liegt daran, dass heißes Wasser die Säuren, Öle und Aromen schneller aus dem Kaffeepulver löst und sie dazu intensiver werden lässt. Gedacht für das sofortige Trinken.

Nitro Coffee. Foto: Ryan Delmar, usage/product: KegWorks.com


Nitro Coffee. Foto: Ryan Delmar, usage/product: KegWorks.com



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Kaltes Wasser hingegen löst die Geschmacksaromen deutlich langsamer aus dem Kaffeepulver; deshalb braucht ein Cold Brew auch etwa 12 Stunden für ein geschmacksintensives Kaffeeerlebnis. Außerdem sind die ätherischen Öle, die das kalte Wasser aus dem Pulver extrahiert nicht so kräftig, wie bei heiß gebrühtem Kaffee. Das macht den Geschmack eines Cold Brew sehr viel weicher und harmonischer. Und es schafft die perfekte Ausgangslage für einen geschmacklich ausgewogenen Nitro Coffee, dessen dichte Textur die süße Milde des Cold-Brew-Kaffees zusätzlich verstärkt.

Man nehme für einen gelungenen Nitro Coffee also einen feinen Cold Brew, gebe Stickstoff dazu und erhalte ein ganz neues Kaffeeerlebnis. Während Kaffeehäuser und Coffeeshops aufgrund der schieren Menge mit Fässern und Zapfanlagen arbeiten, kann man Zuhause auf Nitro Coffee aus der Dose zurückgreifen. Damit das Ganze funktioniert, haben Nitro-Coffee-Hersteller auf das gleiche Dosensystem gesetzt, wie Sout-Beer-Produzenten wie Guinness es schon seit Jahren erfolgreich einsetzen.

 

Nitro Coffee aus der Dose. Foto: Mike


 

Dabei wird durch eine bestimmte Vorrichtung erst beim Öffnen der Dose der Stickstoff freigesetzt, der sich dann mit dem Getränk vermischt. Damit ist auch beim Nitro Coffee aus der Dose gesichert, dass er die gleiche Textur und Cremigkeit ausweist, wie der frisch gezapfte aus dem Coffeeshop.

 

Wie man Nitro Coffee am besten genießt

Der Genuss eines guten Nitro Coffee, wie er ganz im Sinne der oder des Erfinders ist: Pur oder auf Eis.

Dank dem zugegebenen Stickstoff ist die Zugabe von Milch und / oder Zucker bei diesem Zapfkaffee überflüssig. Trotzdem ist Nitro Coffee auch was für Kaffeefans, die ihren Kaffee lieber etwas süßer trinken: Natürlich kann man den Kaffee dennoch zuckern und mit Milch mischen. Ob das dem Geschmack oder der Konsistenz des Nitro Coffee aber zuträglich ist, darf bezweifelt werden. Wenn ihr da Genaueres wisst, teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit uns.

Habt ihr schon mal vom Nitro Coffee gehört oder ihn sogar probiert?

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