»Was gibt’s denn über Kaffeefilter zu berichten«, wird sich nun der ein oder andere fragen. »Unten knicken, an der Seite knicken, in den Filter einlegen, andrücken, fertig.«

 

So weit, so richtig.

Aber Kaffeefilter ist eben nicht gleich Kaffeefilter. Und nicht jeder Filter passt in jeden, nun ja, Filter. Spätestens jetzt, wo in den letzten Jahren ein regelrechtes Revival des handgefilterten Kaffees auf Spitzenniveau die deutsche Kaffeelandschaft erfasst hat, kann es nicht verkehrt sein, sich einmal näher mit den Kaffeefiltern auseinanderzusetzen. Nicht wenige Kaffeetrinker stolpern dabei nämlich schon über die Zahlenkennzeichnung einiger Filtertüten. Und dann wäre da noch die Qual der Wahl zwischen gebleichtem Filterpapier oder naturbelassenem oder gleich einem Dauerfilter.

Dabei ist bereits der Begriff »Kaffeefilter« eine Stolperfalle im Gesamtdiskurs.

 

Kaffeefilter vs. Filtertüte

Der Kaffeefilter ist den meisten Kaffeefans geläufig. Allerdings wird damit meist nicht der eigentliche Filterauf- oder -einsatz assoziiert, sondern die Filtertüte. Woher diese Angewohnheit rührt? Man weiß es nicht. Vermutlich hielt diese Umdeutung des Begriffs Kaffeefilter mit der flächenhaften Verbreitung von automatischen Filterkaffeemaschinen in bundesdeutschen Küchen Einzug in den Sprachgebrauch.

Man halte also Fest: Kaffeefilter ist nicht gleich Filtertüte.

Den Unterschied kann man sich leicht merken. Denn Kaffeefilter sind eigentlich die Aufsätze, in die die Filtertüte eingesetzt wird. Die wiederum ist die mit den geheimnisvollen Zahlen als Namen. Und diese Zahlen sind es, die den Griff zur zum Kaffeefilter passenden Filtertüte garantieren.

 

 

Damit die Filtertüte in den Kaffeefilter passt…

Nun sind die Zahlen und Namen für Filtertüten nicht die einzige Herausforderung. Hinzu kommen auch noch unterschiedliche Modelle und Designs. Die bekanntesten Filtertüten für Kaffeefilter sind wohl die mit den abgeflachten Böden und den abgesetzten Rändern. Diese müssen einmal längs und einmal quer umgeschlagen werden. Durch den Falz soll der Filter an den entscheidenden Stellen reißfester werden. Denn der feuchte Kaffeesatz macht die Papierfilter denkbar instabil.

Allerdings sind diese herkömmlichen Filtertüten nicht für jeden Filteraufsatz gleichermaßen geeignet. Einige Kaffeefilter verlangen nach speziellen Filtertüten. Die bekanntesten Vertreter dieser Art sind der Chemex-Handfilter und der Hario-Filteraufsatz. Deren Filtertüten laufen im Gegensatz zu den Standardfiltertüten spitz zu und werden nur am Filterrand einmal umgeknickt.

Die Wahl der richtigen Filtertüte ist also vor allen Dingen abhängig vom verwendeten Filtersystem.

 

Modell ist klar, nun geht’s an die Größe

Die Größe der Kaffeefilter kann man anhand des Zahlen basierten Namens feststellen. Dass sich dieses Prinzip eingebürgert hat, verdankt Kaffeedeutschland der Firma Melitta.

 

 

Ein kurzer Ausflug in die Geschichte der Kaffeefilter

Namensgeberin Melitta Bentz erfand 1908 den ersten Papierfilter für Kaffee. Dass diese nun durchnummeriert wurden, ist der weiteren Entwicklung von Handfiltern und Kaffeebedarf geschuldet. Bereits 30 Jahre nach Einführung der ersten Filtertüte gab es von Melitta 7 verschiedene Größen. Die größten Filter fassten dabei Pulver für bis zu 100 Tassen Kaffee auf einmal. Logisch, dass man sich da ein System zur Unterscheidung ausdenken musste.

 

Die Filtergröße anhand ihres Zahlencodes erkennen

Die noch heute gängigsten Filtergrößen sind die berühmten 1x2 und 1x4 Filtertüten von Melitta. Der Name bezeichnete schon immer die Anzahl der Tassen, die mit einem der Einmalfilter überbrüht werden können. Ein Filter mit dem Namen 1x2 fasst Pulver und Wasser für 2 Tassen Kaffee. Ein 1x4-Filter wiederum für 4 Tassen Kaffee.

Wichtig ist hierbei zu wissen, dass sich die Menge an handgebrühtem Kaffee orientiert!

Natürlich lassen sich die 1x2, 1x4, 1x6 und 1x10 Filtertüten auch für die Filterkaffeemaschine verwenden. Dabei entspricht die ursprüngliche Mengenangabe eines 1x4-Papierfilters aber ungefähr 8 bis 10 Tassen Kaffee aus der Maschine. Die 1x2-Filter können für kleinere Maschinen verwendet werden, die maximal 6 Tassen Kaffee zubereiten.

Wenn die Verwirrung bereits jetzt perfekt ist, trinkt lieber erst einmal einen Kaffee, bevor ihr weiterlest:

Von Melitta gibt es außer der 1x-Papierfilterreihe auch noch die 100er-Serie. Im Unterschied zur den 1x-Filtern laufen die 100er-Filter etwas konischer zu und passen damit nur in bestimmte Modelle – egal, ob Handfilter oder Kaffeemaschine. Der Papierfilter 100 passt etwa auch nur in Melittas Handfiltermodell 100. Aber durchaus auch in die ein oder andere Kaffeemaschine. Vorausgesetzt, sie fasst nicht mehr als zwei Tassen Kaffee.

Der Filter 101 gehört ebenso in das gleichnamige Handfiltermodell, kann in einigen Kaffeemaschinen aber immerhin bis zu 4 Tassen Kaffee zubereiten. Und zu guter Letzt passt der 102-Papierfilter in den Handfilter des gleichen Namens (bzw. der gleichen Zahl), sowie in entsprechend designte Kaffeemaschinen für bis zu 8 Tassen Fassungsvermögen.

Vor lauter Filter…

Alles klar?

Warum kompliziert, wenn es doch auch einfach geht?

…das dürften sich die Handfilterhersteller Chemex und Hario auch gedacht haben.

Den Chemex-Kaffeefilter gibt es in genau drei Varianten, die jeweils für eine Kaffeemenge von 5 bis 10 Tassen benutzt werden können. Der Unterschied liegt hier eher in Form und Material, denn in der Benennung.

Auch vergleichsweise einfach gestaltet ist die Namensgebung der Filtertüten für den Hario-Handfilter. Die Papierfilter für den Filteraufsatz Hario V60 01 und den V60 02 wird unter dem gleichen Modellnamen vertrieben. Die Fassungsmenge der Papierfilter Hario 01 beträgt eine Tasse Kaffee. Der Filter Hario 02 kann bis zu vier Tassen Kaffee zubereiten.

Nachteil: Die Hario-Papierfilter und die Chemex-Filtertüten sind ausschließlich für die entsprechenden Handfilter geeignet.

 

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Gebleichte oder naturbelassene Papierfilter

Wenn Größe und Modell der Papiereinsätze klar sind, steht man vor der letzten Frage: Sollte man sich für naturbelassene Filtertüten entscheiden oder für gebleichte? Biologisch abbaubar sind beide Varianten und können mitsamt dem Kaffeepulver im Bioabfall entsorgt werden.

Der Vorteil von gebleichtem Filterpapier ist, dass es weniger zu Eigengeschmack neigt, als naturbelassene, braune Filtertüten. Das liegt darin begründet, dass die Bleichung der Kaffeefilter auch die Stoffe herauslöst, die das Aroma des Kaffees beeinträchtigen können.

Übrigens gelten Chemex-Papierfilter als feinporiger als herkömmliche Papierfilter. So können die Aromakomponenten des Kaffeepulvers noch besser extrahiert werden. Allerdings sind nicht nur die Kaffeefilter für den Geschmack verantwortlich. Auch die Wassertemperatur, Brühdauer, Ausgangsqualität des Kaffees und das Brüh-Handling, sowie der Mahlgrad sind wichtige Voraussetzungen für aromatischen Kaffee.

Tipps für die Kaffeezubereitung mit Filterpapier

Für eine ideale Aromenentfaltung des Kaffees, sollten die Papierfilter mit heißem Wasser gespült werden, bevor der Kaffee überbrüht wird. Das schwemmt einerseits Partikel aus der Filtertüte, die andernfalls in den Kaffee fließen würden. Andererseits öffnen sich die Poren im Filter dadurch, sodass die Kaffeearomen besser extrahiert werden können. Und nicht zuletzt passt sich der Papierfilter so besser an die Form und ggf. Rillen des Filteraufsatzes an. So kann kein Wasser und Kaffeepulver in den Zwischenraum von Papierfilter und Filteraufsatz gelangen. Das minimiert den Kaffeesatz in der Tasse.

 

Alternativen zu den Papierfiltern mit den komplizierten Namen

Neben Papiereinsätzen tummeln sich auf dem Markt auch Alternativen: Filtertüten aus Metall oder Baumwolle.

Der Vorteil dieser Dauerfilter liegt ganz klar darin, dass er nicht ständig nachgekauft werden muss. Dauerhaft kann man das so eingesparte Geld etwa in hochwertigeren Kaffee investieren.  Ein Nachteil gegenüber Papierfiltern ist hingegen, dass die sogenannten Dauerfilter recht aufwändig in der Reinigung sind. Gerade aus engmaschigen Metallfiltern ist nicht jedes Kaffeekörnchen ganz so leicht herauszuspülen. Da sind Baumwollfilter ein klein wenig im Vorteil.

Adieu, Halbwissen

Noch bevor Melitta Bentz ihre Papierfiltertüten Anfang des 20. Jahrhunderts patentieren ließ, war es üblich, Kaffee zu filtern. Gängigste Mittel hierfür waren Filter aus Leinen und Löschpapier. Davor war eine Zubereitung verbreitet, die der ähnelt, nach der man den heutzutage sogenannten Cowboy-Kaffee kocht. Parallel zu den Vorreitern der Papierfilter entstanden dabei auch Brühsysteme, in denen der Filter bereits integriert war. Wie etwa die Seihkannen nach französischem Vorbild: Karlsbader Kanne oder Potsdamer Boiler sind hierbei nur zwei erwähnenswerte Modelle. Mit der zunehmenden Verbreitung von Einwegfiltern à la Melitta gerieten die Dauerfilter und Komplettsysteme nach und nach in Vergessenheit. Mittlerweile gelten sie als echte Liebhaberstücke.

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