An der Kaffeeschule Hannover kann man sich zum Kaffeesommelier (bzw. zur Kaffeesommelière) ausbilden lassen! Gähn. Das klingt jetzt denkbar unspektakulär und ist im Übrigen auch kein Alleinstellungsmerkmal der niedersächsischen Landeshauptstadt – man kann an vielen Orten eine Ausbildung zum Kaffeesommelier machen, in Österreich gibt es am Wiener Institut für Kaffee-Experten-Ausbildung auch gleich einen entsprechenden Diplom-Lehrgang. Wer es weniger verstaubt mag, lässt sich zum Barista ausbilden – eine besonders spannende Adresse für so ein Unterfangen ist seit 2015 übrigens, man mag es zunächst nicht glauben, das Land der Kängurus: In Australien haben sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele südeuropäische Immigranten niedergelassen und eine lokale Café-Kultur etablierte sich. Sie entwickelte sich dann ohne den Einfluss von internationalen Ketten und ist trotzdem seit jeher offen für Innovationen und neue Techniken.

 

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Zwar haben all die Hipster-Cafés auf der ganzen Welt es mit ihrem Philosophieren um das richtige Verhältnis von Hornbrille zu Bon-Iver-Musik zum richtigen Braunton des getrunkenen Kaffees vielleicht etwas zu weit getrieben, und es fast geschafft, uns den Kaffeegenuss madig zu machen, aber wenn wir uns einmal von all der ‚Coolness’ und Ironie lösen, wissen wir: Wir brauchen keinen Wein, um uns wie Gourmets (Wikipedia sagt: »Als Gourmet wird in der deutschen Gastrosophie ein Feinschmecker bezeichnet, ein sachkundiger Genießer raffinierter Speisen und Getränke.«) zu fühlen, denn der Kaffeegenuss ist eine besonders geschmackvolle und gleichzeitig hochwertige Art, die Zeit zu verbringen. Das Tollste: man kann unglaublich viel damit experimentieren, auch allein und Zuhause und ohne Extra-Ausbildung.

Was Kaffee und Regenbögen gemeinsam haben

Wir meinen keine Kuren, bei denen man mit Kaffeesatz eingerubbelt wird oder in Kaffee badet – auch wenn man das auch unter »mit Kaffee experimentieren« verstehen könnte. Wir wollen ein Plädoyer für Kaffee als Gourmet-Produkt halten, das aber viel spannender ist als Wein oder anderer trinkbarer Schnickschnack. Zunächst zu den Parallelen zwischen dem – da wir nicht alle Farben des Regenbogens aufzählen können, vereinfachen wir mal – roten bzw. gelblichen flüssigen Gold und seinem vollmundigen braunen Counterpart: Sowohl bei Wein als auch bei Kaffee spielt die Art des Anbaus und die Lage der Reben bzw. Kaffeepflanzen eine entscheidende Rolle im Hinblick auf den später aus den Früchten gewonnenen Geschmack (s. auch den Beitrag zu Arabica vs. Robusta), auf die Qualität und den Preis des Produkts.

CafCaf Logo -Regenbogen

In beiden Fällen gibt es da – vor allem in Bezug auf den Preis – im Grunde keine Grenzen nach oben hin und es ist zu überlegen, was denn das Wein-Äquivalent von Kopi-Luwak-Kaffee wäre… Vor allem wenn es dann darum geht, zu beschreiben, was genau man beim Genuss beider Getränke schmeckt, scheint man es mit ein und demselben Produkt zu tun zu haben, und es ist eine Fehleinschätzung, anzunehmen, die Kategorien seien im Fall von Wein um einiges ausdifferenzierter.

So genannte »Aromaräder«, d.h. standardisierte Systeme zur sensorischen Beschreibung von Aromen gibt es in der Lebensmittelindustrie für verschiedene Nahrungs- und Genussmittel, neben Wein und Kaffee auch z.B. Schokolade. Während sich das Aromarad für Wein in drei konzentrische Kreise aufteilt, die von innen nach außen immer feiner unterteilt werden – es geht also bei groben Geruchsklassen wie »floral« oder »würzig« los und endet bei »würzig-Kräuter-geschnittenes Gras« – gibt es in Bezug auf Kaffee in deutscher Sprache das Aromarad der Berlin School of Coffee und ein Blick auf die wunderbar bunten Schaubilder verrät: Vorher wollten wir mit dem Regenbogen nichts zu tun haben, und jetzt sind wir mittendrin und können auswählen zwischen so ausgefeilten Kategorien wie »Toast geröstet« und »Kiwi«. Beim Studieren des Aromarads für Kaffee schlägt das Herz eines jeden Kaffeeliebhabers höher, denn es zeigt sich, auf was für vielfältige Weise, dieses scheinbar alltägliche Getränk Geschmacksknospen und Geruchsnerven befeuern kann. 

Aromarad für Kaffee

Das Spiel mit dem Kaffee

Kaffee ist also auch ein zu verkostendes und aufregend zu beschreibendes Gourmet-Produkt wie Wein, nur noch vielfältiger einsetzbar und deshalb spannender. Natürlich ist es ein Erlebnis, sich einen richtig guten Wein zu kaufen, ihn zu öffnen und zu genießen. Es lässt sich an dem Erlebnis aber nicht so viel variieren, abgesehen von der Glasform, der Temperatur und dem Essen dazu – die Idee des Weinmixgetränks hat sich (zum Glück) als keine gute erwiesen.

 

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Wenn man sich auf das Gourmet-Spiel einlässt, ist es aber mit dem Kaffeekauf und dem anschließenden Brühen nicht getan: Zu Hause geht das Experimentieren nämlich überhaupt erst los. Auch die beste Maschine macht keinen guten Kaffee, wenn der Mahlgrad nicht stimmt (und da passiert nicht selten, dass einen gerade ahnungslose Hipster-Café-Besitzer so beraten, dass anschließend der Siebträger verstopft). Auch der teuerste Kaffee wird mit der besten Maschine nicht automatisch fantastisch, wenn der Tamperdruck, die Wassertemperatur oder die Wasserqualität nicht stimmen oder eben die Person an der Maschine nicht weiß, wie man Kaffee zubereitet. Man kann also wirklich Herumexperimentieren, und hat man mal den perfekten Espresso, geht es von Neuem los, wenn man Milch dazu mischt. Erst muss gelernt sein, wie man sie perfekt aufschäumt und anschließend muss man herausfinden, welche Kaffeesorte wie mit welcher Milch (da gibt es ja auch nicht nur die von der Kuh) harmonisiert. Die Kombinationsmöglichkeiten sind schier endlos, und weitere Zutaten, seien es Zucker, Sirup oder etwas Stärkeres erweitern die Experimentierpalette.

Kaffeezubereitung und –genuss sind in der Tat eine nie enden wollende Party und man selbst ist der Organisator: Zwischendurch kann man sich immer mal ausruhen, aber irgendwas passiert immer. Was jedoch Kaffee und Wein gemeinsam haben, ist, dass sie nur wirklich schmecken, wenn Ort, Zeit, und Stimmung passen. In diesem Sinne: genießen! 

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»Wir hören denen zu, die seit Jahrzehnten in den Kaffeefeldern arbeiten. Wir lernen von ihnen. Wir besuchen alte kolumbianische Freunde und haben neue gewonnen. Wie zum Beispiel Luz María, die uns auf ihre Familienfarm einlud.«

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