Über die Ostfriesen kann man ja sagen – und scherzen – so viel und was man möchte. Aber eines kann man ihnen nicht absprechen: Sie sind es, die die Fahne für Tee in Deutschland am höchsten halten. So trinkt allein der Ostfriese im Schnitt 300 Liter Tee im Jahr. Der gesamtdeutsche Schnitt liegt dagegen bei unter 30 Liter im Jahr. Im Vergleich zur Menge Kaffee (160 Liter pro Jahr) sind das höchstens Peanuts. In der Frage »…onn watt is mit Teeeeee?« sind die Ostfriesen also sozusagen die Rebellen, die sich seit Jahrhunderten erfolgreich gegen den Siegeszug des Kaffees wehren. Woran das liegen mag? Vielleicht an ihrer geologischen Nähe zu England? Zumindest was das Ritual des Teetrinkens angeht, steht das Völkchen hinterm Deich unseren Nachbarn von der Insel in nichts nach. Dabei haben Tee und Kaffee mehr gemeinsam, als man gemeinhin annimmt.

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Tee und Kaffee – Brüder im Geiste?

Sowohl bei Tee, als auch bei Kaffee stehen für Liebhaber drei Faktoren im Vordergrund:
Die Qualität, das Zeremoniell und die perfekte Extraktion für optimalen Geschmack.

Beide Getränkesorten sind als Genussmittel eingestuft, was an ihrer aufputschenden Wirkung liegt. Und dieser werden sowohl positive als auch negative Eigenschaften zugeschrieben. Wie am Fließband poppen immer neue Studien auf, die Kaffee und Tee wahlweise gesundheitsfördernde oder -schädigende Effekte zuschreiben. Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo in der Mitte liegen. Die Gemeinsamkeiten zwischen Tee und Kaffe überwiegen bei weitem die Unterschiede. Mal vom Geschmack abgesehen, ist der größte darunter die Wirkung des Koffeins – oder Teeins, wie das Koffein im Tee gemeinhin immer noch genannt wird.

Selbst die koffeinhaltigsten Teesorten, grüner Tee und Schwarztee, enthalten pro Gramm weniger des wachmachenden Inhaltsstoffes als Kaffee. Dessen Wirkung entfaltet sich außerdem deutlich langsamer, wird dafür aber auch langsamer wieder abgebaut.

Kaffee wirkt im Gegensatz zu Tee wie ein Sofortschalter. Dafür ist die Halbwertszeit von Kaffee im Körper aber auch erheblich geringer. Vielleicht liegt es also an der Wirkzeit des Koffeins, dass wir Deutschen so auffällig mehr Kaffee als Tee trinken?!
Wer weiß …

Die »Droge« Koffein

Zugegeben, die Zeiten, in denen Kaffeekonsum als Ursache für Impotenz gesehen wurde oder ihm der Ruf einer dehydrierenden Wirkung nachgesagt wurde, sind zum Glück vorbei. Dennoch kann man Koffein eine psychoaktive Wirkung nicht abstreiten. Wenngleich die so gering ist, dass wir sie nicht als bewusstseinsverändernd wahrnehmen – außer man betrachtet einen schlaftrunkene Verfassung kurz nach dem Aufstehen als Bewusstseinszustand, der durch die erste Tasse Kaffee (zum Positiven) verändert wird.

Dennoch: Koffein bewirkt Veränderungen der Aktivität bestimmter Hirnareale. Diese nehmen wir durch die positiven Effekte wie etwa bessere Konzentration, wacheren Geist und dergleichen wahr. Und auch wenn Koffein medizinisch als leichte (und vor allem legale), psychoaktive Droge eingestuft ist, auf die Gehirnbereiche, die für eine Suchtentwicklung zuständig sind, wirkt Koffein nicht. Darum ist der Begriff »Droge« vielleicht ein bisschen irreführend. Andererseits bezeichnen sich gerade Kaffeetrinker gern auch selbst im Scherz als kaffeesüchtig.

 

Kaffee und Tee kochen

Bei beiden Getränken werden Aromen und Koffein per Extraktion durch Wasser aus dem Rohstoff herausgelöst. Dabei ist auffällig, dass bei Tee und Kaffee der Mahlgrad erheblichen Einfluss auf die Extraktionsdauer hat. Je feiner Tee und Kaffee gemahlen sind, desto größer die Oberfläche, desto geringer die Brühzeit und schneller die Aromaextraktion. Die Gleichung lautet also in beiden Fällen, dass, je gröber Kaffee und Tee, desto länger die Extraktionszeit.

Im Teebeutel zum Beispiel ist meist feinstes Teepulver, das seine Geschmacksstoffe und Koffein schneller abgibt, als Tee aus Blättern. Oft handelt es sich bei Tee im Beutel um »Abfallprodukte«, die bei der Herstellung von losem Tee anfallen. Das heißt aber auch, dass die Qualität des Tees im Beutel (nur) so gut ist, wie die des losen Tees.

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Die Qualität von Tee und Kaffee

Für ein überzeugendes Geschmackserlebnis ist bei Tee und Kaffee gleichermaßen die Qualität wichtig. Am wichtigsten für den Trinkenden ist also, das Produkt so unverarbeitet wie möglich zu kaufen. In spezialisierten Fachgeschäften für Tee und Kaffee ist die Produktqualität sicher höher, als im Discounter und Supermarkt ums Eck. Die Frische des losen Tees und Kaffees, seine Lagerung und die Verarbeitung kurz vor der Zubereitung beeinflussen den Geschmack im besten Sinne.

 

Das Zubereitungsritual

Im Grunde könnte man sagen, Qualität + Extraktion = Ritual. Und das gilt für Kaffee und Tee. Die eingangs erwähnten Ostfriesen haben, ähnlich wie die Chinesen und Engländer, das Zeremoniell der Teezubereitung und des Teetrinkens perfektioniert. Aber auch leidenschaftliche Kaffeetrinker machen aus der Kaffeezubereitung liebend gern eine Ritual. Dazu gehört die Qualität der Bohnen oder Blätter, die liebevolle Wahrung des Aromas und das Genießen nach der Extraktion. Vielleicht ist das Teezeremoniell ein bisschen mehr Wissenschaft, als die Kaffeezubereitung. Aber man darf wohl getrost davon ausgehen, dass Kaffeetrinker das Kochen mit Karlsbader Kanne, French Press oder Siphon als mindestens so anspruchsvoll und leidenschaftlich erachten, wie Teetrinker den Ritus dessen Zubereitung.

Kaffee vs. Tee

Tee und Kaffee – die Unterschiede

Der größte Unterschied zwischen Tee und Kaffee liegt tatsächlich in der Wirkung des psychoaktiven Wirkstoffes. Kaffee wirkt schneller aber kürzer und weist einen deutlich höheren Koffeinanteil auf als Tee.

Der Wirkmechanismus ist eng verknüpft mit der Extraktion der beiden Getränke; das Koffein im Tee sitzt in den Gerbstoffen, die bei der Extraktion herausgelöst werden. Das Problem ist, diese Gerbstoffe sind auch für einen bitteren Geschmack verantwortlich, wenn der Tee zu lange zieht. Das heißt, der Koffeingehalt wird zwar höher, je länger der Tee extrahiert. Dafür wird der Tee aber auch schnell beinahe ungenießbar. Zu viele Gerbstoffe verursachen nicht nur einen bitteren Geschmack, sondern auch ein leicht pelzig trockenes Gefühl im Mundraum.

Darum ist die Extraktionszeit beim Tee kochen beinahe noch wichtiger als beim Kaffee kochen. Dort kann man – mit Ausnahme von Espresso – mit der Brühzeit je nach Mahlgrad leichter variieren und ausgleichen. Beim Tee wird bei der idealen Extraktion also weniger Koffein freigesetzt, als bei Kaffee. Zusätzlich binden die Gerbstoffe des Tees das Koffein auch noch. Während der Kaffee seinen Koffeinanteil sofort in den Blutkreislauf abgibt, schließen die Gerbstoffe im Tee das Koffein so lange wie möglich ein. Daraus ergibt sich die langsamere Wirkung des Koffeins bei Tee.


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Und was ist nun besser, toller, großartiger, mehr Wissenschaft? Tee oder Kaffee?

Besser ist, was ihr draus macht. Bei Kaffee gibt es mehr unterschiedliche Möglichkeiten, ihn zuzubereiten. Während die Teezubereitung einen zeremonielleren Charakter hat. Den besseren Koffeinkick bekommt ihr sicher mit Kaffee. Dafür ist Tee milder und oftmals besser verträglich.

In Sachen Qualität zumindest stehen sich Kaffee und Tee in Nichts nach. Die hängt vor allen Dingen davon ab, wo ihr welche Produkte in welchem Verarbeitungsstadium kauft und wie sorgfältig ihr bei der Aufbewahrung und Zubereitung vorgeht.

Alles in allem dürfte die ewige Konkurrenz zwischen Tee und Kaffee wohl eine hausgemachte sein und vor allem ganz subjektiv über den persönlichen Geschmack entschieden werden. Nicht zuletzt gibt es – da bin ich mir fast zu 100% sicher – auch Kaffeetrinker, die zumindest hin und wieder mal zum Tee greifen. Und Teeliebhaber, die sich ab und an auch mal eine schöne Tasse Kaffee gönnen.

Adieu, Halbwissen

Wer bis hierher aufmerksam mitlas, schnappte ein paar Wörter zur Lagerung von Tee und Kaffee auf. Auch hier teilen Tee und Kaffee eine Gemeinsamkeit, die die Qualität, vor allem aber den Geschmack sichern oder aber verschlechtern:

Beide Getränke sind Aromenabsorbierer und nehmen gern die Gerüche der Umgebung auf. Darum Tee nie im Gewürzschrank lagern, Kaffee nicht im Kühlschrank aufbewahren!

Stattdessen beide Produkte am besten licht-, luft- und feuchtigkeitsgeschützt aufbewahren und so schnell wie möglich aufbrauchen.

Adieu, Halbwissen

 

Wer bis hierher aufmerksam mitlas, schnappte ein paar Wörter zur Lagerung von Tee und Kaffee auf. Auch hier teilen Tee und Kaffee eine Gemeinsamkeit, die die Qualität, vor allem aber den Geschmack sichern oder aber verschlechtern:

Beide Getränke sind Aromenabsorbierer und nehmen gern die Gerüche der Umgebung auf. Darum Tee nie im Gewürzschrank lagern, Kaffee nicht im Kühlschrank aufbewahren!

Stattdessen beide Produkte am besten licht-, luft- und feuchtigkeitsgeschützt aufbewahren und so schnell wie möglich aufbrauchen.

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