Die gängige Vorstellung von Kaffeesäcken ist die von graubraunen Jutesäcken, die mal mehr, mal weniger mit Logos, Herkunftsdaten und Sortennamen bedruckt sind. Jutesäcke sind hervorragend geeignet für Upcycling, Basteleien und Wiederverwertung. Vor allem aber sind Kaffeesäcke aus Jute schön griffig, was das Verladen für die Arbeiter einfacher macht. Durch ihre raue Oberflächenstruktur verrutschen die gestapelten Säcke auf den Containerschiffen nicht. Und die groben Maschen sind atmungsaktiv, sodass die Kaffeebohnen auf ihren oft wochenlangen Reisen – sofern die Bedingungen im Rumpf der Schiffe stimmen – nicht schimmeln. Vor allen Dingen aber, sind Jutekaffeesäcke umweltverträglich.

200 Jahre Naturmaterialien: Eine Kaffeesack-Epoche geht zu Ende

Über zwei Jahrhunderte lang waren Kaffeesäcke aus Naturmaterialien wie Jute oder Fique das Mittel der Verpackungswahl. Und man tat gut daran. Denn Naturfasern sind vollständig biologisch abbaubar. Schwieriger gestaltet sich da schon die Gewinnung der Fasern. Die ist vergleichsweise aufwändig und muss in Handarbeit erfolgen. Das macht diese Materialien für Kaffeesäcke einigermaßen teuer. Für Kaffeeproduzenten ist das der wohl größte Nachteil.

Sie sehen sich zunehmend mit Wirtschaftskrisen, Effekten der Klimaveränderung, sinkenden Rohkaffeepreisen und höheren Lohnforderungen konfrontiert. In der Konsequenz müssen sie Sparmaßnahmen einleiten. Und da setzen Produzenten und Importeure schnell beim Material für Kaffeesäcke an.

Mehrere Millionen Dollar pro Jahr lassen sich einsparen, wenn sie statt Jutesäcken Kaffeesäcke aus Kunststoff verwenden. Seit 2016 ist auch der weltgrößte Kaffeeexporteur Brasilien von Naturmaterialien auf Plastik umgestiegen und verschifft seither mehr als die Hälfte seiner Exportware in Polypropylen-Supersäcken. Diese fassen rund eine Tonne Rohkaffe.

 

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Kritik an Jute wird auch hinsichtlich Mineralölrückständen in den Kaffeesäcken laut. Die Jutesäcke werden teilweise mit sogenanntem Batching Oil behandelt. Spuren von Mineralölen können sich außerdem durch den Einsatz von Schmiermitteln oder Abgasen in den Naturfasern absetzen. Von dort gehen sie möglicher Weise auf die Rohbohnen über. Die WHO empfiehlt zwar, einen Konsum von Mineralölrückständen von 0,01 mg/kg nicht zu überschreiten – aber wie sollen Verbraucher das überprüfen? Man muss an dieser Stelle aber auch darauf verweisen, dass bisher keine Auswirkungen auf die Gesundheit bekannt sind.

Ein weiterer Nachteil, der die Verwendung von Kunststoffsäcken vorantrieb, ist die Instabilität der Kaffeesäcke aus Naturfasern. Jute etwa ist nicht besonders reißfest. In Mexiko ist es schon lange üblich, den Rohkaffee in perforierte Plastik-Inlays zu verpacken. Der Sisalsack dient nur als zusätzliche Schutzhülle. Auch Kaffee aus westafrikanischen Anbaugebieten erreicht Europa meist in Säcken aus Kunststoffgewebe.

Links: Kaffeesäcke aus Kunsttoffgewebe (weiß). Rechts: Kaffeesäcke aus Naturfasern.


 

Kaffeesäcke aus Kunststoff zum Wohle des Kaffees, zum Nachteil der Umwelt?

Plastikkaffeesäcke gibt es in zwei unterschiedlichen Varianten. Da wären zum einen die, die nach dem Vorbild von Jutesäcken aus einzelnen Kunststofffasern gewebt sind. Diese kennt man vorrangig von Kaffee, der aus westafrikanischen Anbaugebieten kommt. Dort werden diese Kunststoffsäcke schon länger eingesetzt.

Zum andern gibt es moderne Kaffeesäcke aus Plastik, die über eine atmungsaktive Membran verfügen. Gleichzeitig sind die Säcke doppelwandig, um den Verlust von Aroma zu verhindern. Diese werden vorrangig als sogenannte Inlays benutzt. Das bedeutet, sie sind beim Transport zusätzlich von einem Kaffeesack aus Naturfaser (Fique, Sisal oder Sackleinen) umgeben. So soll gewährleistet werden, dass die Kunststoffinlays während ihrer Reise vom Anbaugebiet ins Zielland keinen Schaden nehmen.

 

Moderne Kunststoffinlays für die Lagerung von Rohkaffee


 

Kunststoffsäcke für den Kaffeetransport weisen für Importeure und Verbraucher natürlich zunächst viele Vorteile auf:

  • Sie sind kostengünstig in der Herstellung, das senkt auch auf den Verkaufspreis von Kaffee.

  • Man kann sie schnell und bedarfsgerecht nachproduzieren.

  • Ihre Faserstruktur ist reißfester, als Naturfasern.

  • Moderne Kunststoffsäcke erhalten das Aroma des Rohkaffees besser. Dadurch lässt sich Kaffee ohne Frischeverlust und Qualitätseinbußen länger lagern und ist weniger anfällig für Fäule, Schädlinge und Gärung.

Was für den Kaffee gut ist, ist für die Umwelt nicht zwangsläufig das beste. Nun entscheiden sich mehr und mehr Kaffeeproduzenten aus absolut nachvollziehbaren Gründen für den Einsatz von Plastik, statt Naturfasern. Anders aber als Jutesäcke, sind Kunststoffkaffeesäcke nicht zur Wiederverwendung geeignet. Dass diese Säcke nicht alle in Recycling-Anlagen landen werden, davon darf man guten Gewissens ausgehen.

Wenn man den nicht unerheblichen Schaden bedenkt, den Kunststoff generell an der Umwelt anrichtet, sollte man die zunehmende Wahl von Plastiksäcken für den Kaffeetransport zumindest skeptisch betrachten. Denn indirekt tragen die für Hersteller und Verbraucher vorteilhaften Kunststoffsäcke genau dazu bei, was den Kaffeefarmern mitunter das Leben überhaupt erst immer schwerer macht: zur Umweltverschmutzung und damit einhergehend zur Klimaveränderung.

 

Kaffeesäcke aus Naturmaterialien vs. Kaffeesäcke aus Kunststoff

 

Naturfasersäcke Eigenschaften Plastiksäcke
Atmungsaktivität
Reißfestigkeit
Herstellungskosten
Lagerzeit
Aromaschutz
Fäulnis-, Gär-, Insektenschutz
Umweltverträglichkeit

Adieu, Halbwissen

Vertiefe dein Kaffeesack-Wissen mit diesen Fakten:

  • Die meisten Kaffeesäcke aus Naturfasern werden in Indien und Indonesien gefertigt.
  • Der Sack war ursprünglich eine Maßeinheit für Getreide, Wolle, Kohle und Schüttgüter allgemein.
  • Ein traditioneller Kaffeesack entspricht dem Gewicht von entweder 60 oder 69 kg.
    – 69 kg entsprechen dem altspanischen Maß von 150 Pfund.
    – Die größeren Säcke sind vorrangig in Zentralamerika verbreitet.
  • Mittlerweile sind im Großexport auch Plastiksäcke üblich, die 1 Tonne Bohnen fassen.
  • Die jährliche, weltweite Kaffeeproduktion umfasst circa 140 Millionen Säcke von 60 kg.
  • Der höchste Anteil Kaffee kommt mit knapp 30.000.000 Säcken aus Brasilien.+Ein 60-kg-Sack entspricht etwa dem Ertrag von rund 100 Arabica-Pflanzen.

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– Die meisten Kaffeesäcke aus Naturfasern werden in Indien und Indonesien gefertigt.

– Der Sack war ursprünglich eine Maßeinheit für Getreide, Wolle, Kohle und Schüttgüter allgemein.

– Ein traditioneller Kaffeesack entspricht dem Gewicht von entweder 60 oder 69 kg.

– 69 kg entsprechen dem altspanischen Maß von 150 Pfund.

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