Hola Caf-Fee,

ich wette, Du bist gleich erstaunt, wenn Du siehst, wer Dir da schreibt: ich bin Don Colombia, Nein, nicht der Tattoo-Künstler von Instagram, sondern das Maskottchen Kolumbiens. Ich habe meinen Hauptwohnsitz auf einer Kaffeefarm in Pereira, wechsle aber oft meinen Aufenthaltsort und lasse mich von den Salsa-Klängen durch das Land tragen.

Meistens klappt das ganz gut, weil ich so leicht bin und kein Tag vergeht, an dem keine Schallwellen in der Luft sind, auf die ich mich einfach schwingen kann. Andere Nationen brauchen vor allem Sauerstoff zum Atmen, aber bei uns in Kolumbien hat die Musik einen ebenso wichtigen Stellenwert. Vielleicht hast du mich auch schon mal auf der CafCaf-Instagram-Seite gesehen, wo ich schon mehrmals aufgetaucht bin in der Gesellschaft meiner neuen Freunde aus Deutschland. Alle finden mich süß, aber niemand weiß, dass ich sprechen und schreiben (und singen!) kann. Deshalb weiß auch niemand, dass ich natürlich alles verstehe, was so um mich herum passiert. Und ich mag es auch wirklich gerne, überallhin mitgenommen zu werden, wie zum Beispiel neulich auf der CafCaf-Reise durch Kolumbien: die Farbenvielfalt, die Klänge und Düfte sind einfach herrlich und ohne a little help from my friends würde ich wohl doch nur den ganzen Tag in der Sonne liegen, Siesta machen und zwischendrin Kaffee trinken.

Aber ich drifte ab, liebe Caf-Fee – das Campesino-Leben lädt nun einmal zum Träumen ein. Neulich habe ich mich also an das CafCaf-Team auf seiner Reise durch mein Land drangehängt, was schon ziemlich aufregend war. Die Fotos kannst du dir ja selbst anschauen. Eines Abends wurde ich Zeuge eines besonders interessanten Gesprächs – im Nachhinein bin ich mir aber nicht sicher, ob ich da vielleicht doch wieder weggenickt bin und alles nur ein Traum war. Da die Weihnachtszeit vor der Tür steht, schreibe ich dir nun, liebe Caf-Fee, um meinen diesjährigen und allgemein gültigen Wunsch für diese Weihnachten aufs Papier zu bringen. Aber alles der Reihe nach. Das ist passiert:

Ich bin unbemerkt unter einen Esstisch gefallen. Am Tisch speiste die ganze repräsentative Kaffee-Familie, sozusagen der Kaffee-Klan. Ich mein, ich habe »Der Pate« oder so nie gesehen, mit Italien habe ich andere Assoziationen; aber die Atmosphäre war schon ziemlich aufgeheizt. Und es gab auch einen eindeutigen Patriarchen, der auch am Kopf des Tisches saß: der Campesino (der Kaffee-Bauer). Am Anfang war eigentlich alles ganz entspannt, es wurde gegessen und gelacht und den Klängen im el paraíso gelauscht. Im Verlauf des Gesprächs wurde es ein bisschen ‚technischer’ und ich erinnerte mich an die Gespräche, die ich mal mit ein paar Kaffeebohnen führte: wie bist du beschaffen? Wie waren die klimatischen Bedingungen dort, wo du herkommst? Gab es Probleme mit Parasiten? Wie wurdest du fermentiert und geröstet? Standard halt. An besagtem Abend saßen neben dem Campesino noch ein Röster, ein Catador (der »Cupper«), ein paar Käufer und ein paar Touristen am Tisch. Zu späterer Stunde kam noch ein Importeur vorbei, der im Stau gestanden hatte.

Was mir von vornherein auffiel, war, dass alle am Tisch Sitzenden eine harmonische Einheit bildeten, was sie aber zwischendurch zu vergessen schienen. So wie ich das an dem Abend wahrnahm, waren sie alle in einem Netzwerk des Austauschs miteinander verknüpft und aufeinander angewiesen: der Bauer auf den Röster, der Röster auf den Bauer. Eine sehr wichtige Rollen spielen mittlerweile im modernen Kaffeeverarbeitungsprozess auch die Catadores, die den Kaffee analysieren. Und die Käufer sind natürlich ohne den Campesino aufgeschmissen, sie brauchen Röster, Catadores und Verkäufer, wenn sie ihren Lieblingskaffee trinken wollen. Die zentrale Rolle spielt in diesem Netzwerk der Campesino, was auch seine Sitzposition am Tisch der Tafel erklärte.

Was mich zugegebenermaßen erstaunt hat, waren die langen und detaillierten Redebeiträge des Catadors. Ich hatte ja keine Ahnung, dass es mittlerweile so einen ausgefeilten Katalog für die Kategorisierung von Kaffee gibt—für mich hat Kaffeetrinken auch sehr viel mit Leidenschaft und einem Gefühl des Zuhauseseins zu tun, aber so etwas allein ist, wenn es um’s Geschäft geht, natürlich nicht besonders effizient. Das Coffee Cupping, um es mal für die Millenial-LeserInnen auf Englisch zu formulieren, folgt sehr ausdifferenzierten Standards, die von der Alliance for Coffee Excellence (was für eine pompöse Bezeichnung!) festgelegt wurden. Die Bewertung, deren Prozess ich hier jetzt nicht noch einmal wiederholen werde hat natürlich einen direkten Einfluss auf die Marktpreise und ist deshalb mittlerweile so ein essentieller Teil des ganzen Prozesses.


 

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Je länger der Catador redete und je mehr insbesondere der Käufer und Röster von Zahlen und Nuancen sprachen und anfingen zu feilschen, desto ungeduldiger wurde ich. Ich hatte auf einmal ein Schachbrett vor Augen: da haben wir ja bekanntlich eine ganze Reihe von »Bauern«, einen König (etwas statisch, aber wichtig), eine Dame, Läufer, Springer und Türme. Was mich nun während dieses Gesprächs so stutzig machte, war, dass die Klan-Mitglieder den Vergleich mit dem Schachbrett ein bisschen zu wörtlich nahmen und um die Position des Königs buhlten: wer hätte das meiste zu sagen, ohne wen würde alles zusammenbrechen? Nun, die Antwort lag natürlich – wenn auch zum Glück nicht wörtlich – auf dem Tisch: wenn es um Kaffee geht, steht und fällt alles mit dem Campesino. Im Gegensatz zum Schachspiel füllt er nämlich die zentrale Rolle des Königs aus – natürlich braucht er die anderen, wenn es darum geht, seine Kaffeekirschen auf den Weg in den langwierigen Verarbeitungs- und Verkaufsprozess zu bringen. Ich stelle mir die Catadores als analog zu den Türmen vor – sie halten alles zusammen und haben eine Schutzfunktion, in dem Fall die, die Qualität des Kaffees zu sichern. Die Käufer und/oder Importeure spielen gewissermaßen die Rolle der Läufer und Springer. Und die Schachfiguren der »Bauern« stehen in ihrer Masse für die Touristen und/oder Konsumenten. Alle sind Teil eines geschlossenen Systems.

»Ich hatte auf einmal ein Schachbrett vor Augen: wenn es um Kaffee geht, steht und fällt alles mit dem Campesino. Im Gegensatz zum Schachspiel füllt er nämlich die zentrale Rolle des Königs aus.«

–Don Colombia

Dieses System beruht aber auch auf gegenseitiger Wertschätzung, einem fairen Handel. Ich schildere dir in einem zukünftigen Brief mal meine Gedanken zum Fairtrade, liebe Caf-Fee. Wird das nicht aufrechterhalten, kann es zu der gruseligen Situation kommen, dass ein Campesino seine Kaffeefarm aufgibt, zum Beispiel stattdessen Tomaten pflanzt oder seine Farm an Touristen verkauft. Das ist für letztere bestimmt eine tolle Sache, zerbricht mir aber doch das Herz.

An dem besagten Abend haben sich alle zusammengerauft und dem Campesino ihre Wertschätzung ausgedrückt. Am nächsten Morgen dachte ich mir dann, dass es mich stolz macht, dass vielleicht das kolumbianische Nationalprodukt, unser Kaffee, so gut im 21. Jahrhundert angekommen ist. Denn auch wenn für mich ausschließlich der Geschmack und die nostalgische Komponente zählen, verstehe ich, dass wir bei der Kaffeeverarbeitung und –distribution viele player brauchen… Oh, so viele komplizierte Ausdrücke. Mich lockt jetzt schon wieder der Gedanke an eine Siesta. Liebe Caf-Fee, wenn ich mir für Weihnachten etwas wünschen darf, ist das, dass in den Köpfen aller Kaffee-Klan-Mitglieder auch mal wieder der Gedanke daran dominiert, was für ein Zauber dem Genießen von Kaffee anhaftet und dass wir der kolumbianischen Natur dankbar sein müssen für den Reichtum, mit dem sie uns beschenkt hat. Weniger Zahlen, mehr Herz. Die Kaffee-Erfahrung lässt sich trotz allem nämlich nicht ausschließlich in Diagrammen und Kilogramm messen!

Con cariño – Don Colombia

 

CafCaf in Colombia. Alle Fotos: Maik Reichert (KUKUKK)


 

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