Vor kurzem haben wir euch einen Einblick in die Kaffeeindustrie Kolumbiens gegeben. Speziell in die Welt hinter den Türen der Federación Nacional de Cafeteros de Colombia und das ihr angeschlossene Forschungslabor Cenicafé.

Der Zusammenschluss der kolumbianischen Kaffeebauern zur nationalen Institution hat so manchen Vorteil für die Farmer. Einerseits können sie sich so eines der weltweit anerkanntesten Kaffeelabore leisten. Andererseits garantiert der Verband eine Abnahme der Tagesernte der Kaffeebauern gegen Bezahlung.

Leider kommt jeder Vorteil aber auch immer mit einem Nachteil.

In einer Schälanlage in Kolumbien. Foto: Maik Reichert (KUKUKK)


 

Das ist bei der Federación Nacional de Cafeteros de Colombia nicht anders. Durch das bisherige Blending-Verfahren, bei dem unterschiedliche Kaffeesorten verschiedener Reifegrade und Fermentationszeiten scheinbar wahllos miteinander vermischt werden, trägt die Federación nicht unbedingt zur Verbesserung der Reputation kolumbianischen Kaffees bei. Vor allem aber sind bei der Zusammenarbeit mit der FNC und dem Cenicafé immer noch die Kaffeebauern die Verlierer.

Das klingt widersprüchlich, bedenkt man, dass es eben diese Farmer sind, die den Nationalverband der kolumbianischen Kaffeebauern finanzieren. Andererseits ist das langfristige Forschungsziel des Verbandes ja aber, dass die Fincas von einer einheitlich robusten und aromatischen Kaffeesorte profitieren. Das ist natürlich ein hervorragendes Argument dafür, mehr Geld in die Laborarbeit, als in die Feldarbeit zu investieren. Und so stellt die Federación ihren Kaffeebauern zwar in jedem Dorf Anlaufstellen bereit, wo sie ihre tägliche Ernte gegen garantierte Bezahlung abgeben können. Allerdings unterliegt der Preis für den Rohkaffee täglichen Schwankungen. Der Kaffeebauer weiß also nie, mit wie viel Verdienst er am Ende eines Arbeitstages rechnen kann.

Rohkaffee-Preisschwankungen in Kolumbien*

Jahr 2009–2016

  • 2009: 138,96 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2010: 180,55 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2011: 239,68 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2012: 166.69 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2013: 113,91 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2014: 159,71 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2015: 119,40 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)
  • 2016: 123,58 US Cent pro Pfund (Durchschnitt)

*Colombian Milds. Quelle: International Coffee Organization

13.–20. Dezember 2017

  • 13.12.2017: 137,99 US Cent pro Pfund
  • 14.12.2017: 137,28 US Cent pro Pfund
  • 15.12.2017: 138,69 US Cent pro Pfund
  • 16.12.2017: 138,79 US Cent pro Pfund
  • 17.12.2017: 139,32 US Cent pro Pfund
  • 18.12.2017: 140,14 US Cent pro Pfund
  • 19.12.2017: 140,75 US Cent pro Pfund
  • 20.12.2017: 142,30 US Cent pro Pfund

*Colombian Milds. Quelle: International Coffee Organization

Diese – vorsichtig ausgedrückt – etwas krude Art des Kaffeehandels ist für die kolumbianischen Fincas nicht nur unfair, sondern untergräbt auch jeden eventuellen Versuch, qualitativ hochwertigeren Kaffee anzubauen. Wenn das Tageseinkommen so stark schwankt, dass man sich nie eine sichere Vorstellung des Monatsverdienstes machen kann, kann man nicht investieren. Und wer nicht in gesündere Samen investieren kann, in bessere Fermentierungsmöglichkeiten oder schlichtweg dem Kaffee nicht die nötige Zeit zum Heranreifen geben kann, muss minderwertigeren Kaffee zu dem Preis herstellen, den er bekommen kann. Auch wenn das heißt, dass weder Kaffee noch Kaffeebauer wirklich Fortschritte machen.

 

Stichproben-Check des Rohkaffees. Ganzes Video hier im Kolumbien-Dokumentarfilm ansehen


 

Wie kolumbianische Kaffeebauern aus dieser Misere herauskommen können

Der nationale Kaffeeverband Kolumbiens ist nicht die einzige Möglichkeit für die Fincas, ihre Kaffeeernte zu veräußern. Vielerorts ist es allerdings die einfachste. Denn in den oft abgelegenen Bergdörfern bietet die Federación eine direkte Anlaufstelle vor Ort, bei der der Kaffeebauer seine Ernte abliefern kann. Ganz ohne, dass er weite Wege, Fahrt- und Wartezeiten in Kauf nehmen müsste. Zeit, die er wiederum nicht auf seinen Feldern mit Ernte und Fermentierung verbringen kann. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, brauchen die kolumbianischen Kaffeebauern andere Möglichkeiten. Möglichkeiten, die es bereits gibt. Sie heißen Fair Trade und Direct Trade.

Pergamino-Kaffeelager in Kolumbien. Foto: Maik Reichert (KUKUKK)


Stichproben-Entnahme des Kaffees. Foto: Maik Reichert (KUKUKK)


Wie fairer Handel kolumbianische Kaffeebauern unterstützt

Wie es der Name dieses Absatzes bereits verrät, basiert dieser Ver- bzw. Einkauf von Kaffee auf dem Prinzip einer gerechten Entlohnung. Hierbei wird nicht nur die Menge des eingekauften Kaffees zur Preisgestaltung herangezogen oder die tagesaktuelle Kaffeebörse als Referenz. Stattdessen wird beim fairen Handel auch die Qualität des Kaffees belohnt, ebenso wie die Arbeitszeit des Kaffeebauern mit bezahlt. Entsprechend fallen für den Kaffeebauern bei – sowohl aromatisch als auch ausgereiften – hochwertigen Kaffees bessere Margen ab.

Fair Trade zielt auf ethische Werte mindestens so ab, wie auf qualitative Produkte. Realisiert wird das besonders in der Kaffeeindustrie durch den Zusammenschluss verschiedener Fincas zu sogenannten Kaffeekooperativen. Die darin organisierten Kaffeebauern bestimmen gemeinsam darüber, wie sie das verdiente Geld einsetzen. Das kommt nicht zuletzt ganzen Ortschaften zu gute. Denn dank fairer Entlohnung können die Fincas in mehr Qualität, Technologie und Angestellte investieren. Aus diesem Rundum-Prinzip des fairen Handels entstehen bessere Kaffees und Sozialstrukturen gleichermaßen.


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Was für den Kaffeebauern von Vorteil ist, ist für den Verbraucher nicht immer das Goldene vom Ei. Denn selbst wer bereit ist, für fair gehandelten Kaffee einen angemessenen Preis zu bezahlen, bezahlt im Handel das Label und die Vermittlungsinstanz zwischen Käufer und Kaffeebauer gleich noch mit. Das erhöht den Preis für fair gehandelten Kaffee, ohne dass das ausgegebene Geld wieder vollständig an den Händler und Hersteller zurückfließt.

Kaffee-Erntehelfer in Kolumbien. Foto: Maik Reichert (KUKUKK)


 

Veränderung braucht Zeit

Ganz gleich, für welche Verkaufsoption sich die kolumbianischen Kaffeebauern entscheiden, sie müssen immer die Vor- und Nachteile abwägen. Ob es dabei um abstraktere Vorstellungen geht, wie der langfristige Nutzen bei einer Zusammenarbeit mit Fair-Trade-Organisationen oder Direkthändlern. Oder ob es um ganz essentielle Dinge geht, wie darum, gegen ganz reale Gefahren wie den klimatischen Veränderungen zu kämpfen oder sich gegen Kaffeefarmerkollegen durchzusetzen, die die Federación als das Nonplusultra betrachten.

Langfristig bieten Fairtrade- und Direkthandeloptionen im Grunde genommen die sicherere, stabilere und zuverlässigere Einkommensquelle. Außerdem können sich die Bauern so leisten, auch die Hochwertigkeit ihrer Kaffees zu verbessern. Statt wie bisher einen negativ gepolten Teufelskreis wie den Billigverkauf an die Federación aufrechtzuerhalten, würde ein Umdenken seitens der kleinen Kaffeebauern sowohl für sie selbst, als auch für den Kaffee und nicht zuletzt den Konsumenten einen positiven Wandel bedeuten.

Adieu, Halbwissen

Kaffeefarmer in Kolumbien handeln mit sogenanntem Pergamentkaffee. Dabei handelt es sich um gepulpte Kaffeebohnen, bei denen die letzte, schützende Pergamentschicht noch um die grüne Bohne herum erhalten geblieben ist. Weder Ernte, Lagerung noch Fermentierung konnten dieser Pergamenthaut etwas anhaben. So werden die Kaffeebohnen in ihrer subtilen Pergamenthaut an den Annahmestellen der Federación gewogen und nach tagesaktuellem Festpreis bezahlt.

Die Kolumbianer nennen diese – sagen wir – Vorstufe zum eigentlichen grünen Kaffee, wie er dann in Deutschland und dem Rest der Welt ankommt, Pergamino. Die dünne, trockene Haut wird erst kurz vor dem Transport ins Zielland des Kaffees entfernt.

Adieu, Halbwissen

 

Kaffeefarmer in Kolumbien handeln mit sogenanntem Pergamentkaffee. Dabei handelt es sich um gepulpte Kaffeebohnen, bei denen die letzte, schützende Pergamentschicht noch um die grüne Bohne herum erhalten geblieben ist. Weder Ernte, Lagerung noch Fermentierung konnten dieser Pergamenthaut etwas anhaben. So werden die Kaffeebohnen in ihrer subtilen Pergamenthaut an den Annahmestellen der Federación gewogen und nach tagesaktuellem Festpreis bezahlt.

Die Kolumbianer nennen diese – sagen wir – Vorstufe zum eigentlichen grünen Kaffee, wie er dann in Deutschland und dem Rest der Welt ankommt, Pergamino. Die dünne, trockene Haut wird erst kurz vor dem Transport ins Zielland des Kaffees entfernt.

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Kolumbien Dokumentarfilm

»Wir hören denen zu, die seit Jahrzehnten in den Kaffeefeldern arbeiten. Wir lernen von ihnen. Wir besuchen alte kolumbianische Freunde und haben neue gewonnen. Wie zum Beispiel Luz María, die uns auf ihre Familienfarm einlud.«

 

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