Südamerika generell und Kolumbien im Speziellen ist eines der Kaffeeländer überhaupt. Viel des für den Export bestimmten Kaffees wird von sogenannten Kooperativen angebaut, verarbeitet und exportiert. Eine Kooperative ist ein Zusammenschluss verschiedener Kaffeebauern, die alle ein gemeinsames Ziel verfolgen. Oder mehrere Ziele besser gesagt. Kaffee-Kooperativen arbeiten grundsätzlich zum Nutzen aller Mitglieder. Für Kaffeebauern bedeutet das etwa bessere Arbeitsbedingungen und Anbaumöglichkeiten, aber auch bessere Preise für ihre Produkte.

 

Die Vorteile einer Kooperative für Kaffeefarmer

Als Mitglieder einer Kooperative haben Kaffeebauern besseren Zugang zu verschiedenen Ressourcen, die ihnen die Kaffeeproduktion erleichtern. Das kann die Erschließung neuer Märkte und Kunden sein, genauso wie Weiterbildungen oder neue Technologien. Kaffee-Kooperativen sind in der Regel gemeinnützige Organisationen. Und der gemeinsame Nutzen ist der Schlüssel zum Erfolg der Kooperativen. Das belegt auch das Beispiel der Federación Nacional de Cafeteros de Colombia. Sie ist eine der ältesten und erfolgreichsten Kooperativen. Aus den Mitteln der Federación ist das weltweit anerkannteste Kaffeeforschungszentrum entstanden.

 

Wie eine Kaffeekooperative funktioniert

Das gemeinsame Ziel der in Kooperativen zusammengeschlossenen Kaffeebauern ist definiert, nun muss es aber auch realisiert werden. Dafür braucht man finanzielle Mittel. Und diese kommen von den Kaffeefarmern selbst. Eine Mitgliedschaft in einer Kaffeekooperative ist zwar freiwillig, aber nicht kostenlos. Der Mitgliedsbeitrag wird gesammelt und re-investiert. So müssen die Bauern nicht individuell die Mittel aufbringen, die modernere Maschinen, Marketing oder Forschung kosten. Stattdessen wird das Beitragsgeld zum Nutzen aller Mitglieder investiert.

Einerseits hat ein einzelner Kaffeekleinbetrieb natürlich keinen exklusiven Zugang zu neuen Erkenntnissen aus selbstfinanzierter Forschung – etwa, wie er seine Kaffeepflanzen resistenter oder ertragreicher macht. Andererseits spart er durch das in Kooperativen erlangte und geteilte Wissen viel Geld. Das kann er dann in die Umsetzung der Forschungsergebnisse investieren. Darüber hinaus kommt er auch günstiger an Produktionshelfer wie Düngemittel oder Insektenvernichter. Aber auch seine Chancen für Kreditbewilligungen stehen bei einer Kooperative besser.

Plagen-resistente Kaffeesetzlinge in Kolumbien. Foto: Maik Reichert (KUKUKK)


 

Wieso eine Kaffee-Kooperative für Kaffeebauern Sinn hat

Der Mensch als Einzelkämpfer ist noch nie wirklich weiter gekommen. Zumindest war er seit seines Auszugs aus der afrikanischen Steppe schon immer auf andere Menschen angewiesen. Insofern ist eine Kooperative eine logische Konsequenz. Einerseits zum Geld sparen, andererseits, um die Überlebenschancen zu erhöhen. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. Denn nicht selten sind kleinere Kaffeebauern zu einem Leben am Existenzminimum verdammt; Zwischenhändler verschlimmern die prekäre Situation zusätzlich:

Sie kaufen den Farmern den Ertrag für wenig Geld ab, die Tarife variieren von Tag zu Tag. Die Bohnen gehen dann an Exportpartner; der zahlt den jeweils geltenden Marktpreis an den Zwischenhändler. Dieser ist mitunter starken Schwankungen unterlegen. Großproduzenten drücken die Preise zusätzlich. Das wiederum bestimmt die Tarife, die die Zwischenhändler am nächsten Tag den Kaffeefarmern bezahlen. Brauchen diese Gelder, sind ihre erste Anlaufstelle ebenfalls die Zwischenhändler, denn bei Banken erhalten kleine Kaffeebauern keinen Kredit.

Also wenden sie sich an die Zwischenhändler, wenn sie Investitionen tätigen wollen oder um ihre Angestellten zu bezahlen. Solche Kredite werden meist nicht vertraglich festgehalten und die Kaffeefarmer liefern sich den Zwischenhändlern somit im Grunde genommen aus. Um diesem System zu entkommen, ist es sinnvoll, wenn sich Kaffeebauern in Kooperativen zusammenschließen. 

»Kaffee-Kooperativen sind wehrhaft, unabhängig, selbstbestimmt, produktiv und verbessern langfristig das Einkommensverhältnis der Kaffeebauern.«

 

Kooperative statt Zwischenhändler

Eine Kooperative umgeht die Institution des Zwischenhändlers. Stattdessen kann der Kaffeebauer seinen Ertrag direkt an den Kaffeeproduzenten verkaufen. Um die Vermarktung kümmern sich die Farmer der Kooperative entweder selbst oder sie stellen einen entsprechenden Verantwortlichen ein. So oder so haben sie die Verfügungsgewalt und einen direkten Kontakt zum Endkäufer.

Das erhöht die Gewinnspanne für den Farmer, der nun nicht mehr um seine Existenz bangen muss. Im besten Fall kann er sogar expandieren; etwa in qualitativere Kaffeesorten investieren, mehr Land dazu kaufen, mehr Arbeiter anstellen und diese besser bezahlen. Und noch einen Vorteil haben die Zusammenschlüsse zu Kaffee-Kooperativen.

 

Mit der Kooperative zum Fairtrade-Zertifikat

Fairtrade- oder Bio-zertifizierten Kaffee wird teurer verkauft. Aber bis der Kaffee ein solches Siegel erhält, ist es ein weiter – und teurer – Weg. Auch hierbei kann eine Kaffee-Kooperative weiterhelfen. Das Schwarmwissen der Kooperative kann erste Grundsteine legen, um die Qualität der angebauten Kaffees zu erhöhen. Etwa, indem man sich über Sorten und deren Eigenschaften austauscht und Forschung betreibt. Aber auch, indem zum Beispiel umweltschonendere Techniken erlernt werden.

So kann man nach und nach die Anforderungen erfüllen, die zum Erhalt eines Siegels notwendig sind. Eine Zertifizierung stärkt die Position der Kaffeebauern außerdem auch bei Verkaufs- und Preisverhandlungen. Die führen sie zu diesem Zeitpunkt ohnehin längst direkt mit dem Einkäufer, wovon die Bindung zwischen den Parteien ebenso profitiert.

Es gibt mittlerweile ganze Kooperativen, die anerkannt Fairtrade zertifiziert sind. Die Kosten für das Siegel werden hierbei auf die einzelnen Mitglieder, also die Kaffeefarmen, aufgeteilt. Eine Kooperative kann es kleinen Farmen also auch erleichtern, das Siegel Fairtrade zu erlangen – nämlich mit erschwinglicheren Kosten durch die Mitgliedsbeiträge.

 

Einfache Sonnentrocknung der Kaffeebohnen auf einer kleinen Familienfarm in Kolumbien.


 

Die soziale Konsequenz, die Kooperativen mit sich bringen

Neben verbesserter Kaffeequalität und mehr Möglichkeiten für die Kaffeebauern, wirkt sich der Zusammenschluss zu Kooperativen auch auf das gesellschaftliche Gesamtgefüge aus. Oft leben ganze Ortschaften von der Arbeit auf der örtlichen Kaffeeplantage. Mit besserer und häufigerer Ernte, der Erschließung neuer Anbaugebiete und mehr technischen Möglichkeiten, benötigen Farmer mehr Hilfe. Sie können also mehr Menschen in ihrer Gemeinde Arbeit geben.

Weil hochwertiger Kaffee zu höheren Preisen gehandelt werden kann und der Zwischenhändler ausfällt, hat der Kaffeebauer über drei Quellen höhere Einnahmen. Erstens aus der besseren Qualität seiner Ware, zweitens aus dem Reingewinn durch den Wegfall des Zwischenhändlers und drittens durch Expansion, weil er mehr Kaffee anbauen kann. Dadurch steigt sein Bedarf an Mitarbeitern. Vor allem kann er diese Mitarbeiter aber besser bezahlen.

So verhelfen Kaffee-Kooperativen mittelbar ganzen Dörfern zu mehr Wohlstand. Und wo mehr Wohlstand, da auch bessere Ökonomie und bessere Hygiene. Familien können sich Schulen für ihre Kinder leisten und kurbeln durch verbesserte Lebensstandards weiter die Wirtschaft vor Ort an. Damit bieten Kooperativen nicht nur eine bessere Zukunftsperspektive für die Kaffeebauern, sie ermöglichen sogar nachfolgenden Generationen bessere Aussichten und Startchancen.

Die Zukunft von Kaffee-Kooperativen

Es ist anzunehmen, dass Kaffee-Kooperativen in Zukunft an Wichtigkeit zunehmen. Gemeinsam ist es für Kaffeebauern aus ärmlicheren Regionen nämlich erheblich einfacher, mit der zunehmenden Globalisierung und Erderwärmung zurechtzukommen. Kooperativen eröffnen bessere Möglichkeiten, in dem sie Infrastruktur, Weiterbildung und Finanzierungen bereitstellen. Weil es die Bauern selbst sind, die sich in diesen Genossenschaften zusammenschließen, geben sie die Kontrolle niemals aus der Hand. Das fördert sowohl den Zusammenhalt zwischen den Farmern, als auch die Unabhängigkeit von Zwischenhändlern und anderen ausgedienten Strukturen.

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