Er wird als eine der seltensten und teuersten, weil exklusivsten Kaffeearten der Welt gehandelt, der Kopi Luwak. Auch Katzenkaffee genannt. Dabei beginnt das Missverständnis schon damit, dass es sich beim Kopi Luwak um eine eigene Kaffeesorte handelt. Warum das so nicht richtig ist, was die Exklusivität dieses Kaffees für ökologische Nebenwirkungen hat und was ihn so besonders macht, darum soll es in diesem Artikel gehen.

 


 

Wo kommt der Kopi Luwak her?

Das Verbreitungsgebiet, wenn man es so sagen will, sind die Kaffeeanbaugebiete in Indochina. Dort ist er vor allem auf den Inseln Java, Sumatra und Sulawesi heimisch. Aber auch auf den Philippinen wird der Kopi Luwak erzeugt. Dort ist er dann statt unter dem bekannteren Namen als Coffee Alamid oder Phillipine Civet Coffee erhältlich. Geringere Mengen Kopi Luwak kommen auch aus Vietnam und Osttimor. Überall dort also, wo die Zibet- oder Schleichkatze, besonders der Fleckenmusang, heimisch ist. Der »klassische« Kopi Luwak stammt demnach aus Süd- und Südostasien, dem größten Schleichkatzenhabitat.


 

 

Wie Kopi Luwak hergestellt wird

Kopi Luwak ist indonesisch und bedeutet übersetzt Zibetkatzen-Kaffee. Im Deutschen verbanalisiert zu Katzenkaffee. Und tatsächlich sind die niedlichen Wildkatzen sozusagen die Hauptzutat bei der Entstehung des Kopi Luwak. Die leuchtend roten, reifen Kaffeekirschen stehen auf deren Ernährungsplan nämlich ganz weit oben. Und wer schon mal das Fruchtfleisch von Kaffeekirschen versucht hat, wird das nachvollziehen können. Es ist nämlich sehr süß und saftig.

Die Kaffeebohnen selbst, die ja im Innern der Kaffeekirsche heranreifen, können die Schleichkatzen aber nicht verdauen. Und so überstehen die Bohnen den Verdauungsprozess komplett unbeschadet, um von den Miezen danach wieder ausgeschieden zu werden.

Eingesammelt, gewaschen, getrocknet und geröstet, wird der Katzenkaffee dann teuer verkauft.

CafCaf Kaffee Blog, Kaffeeblog: Kopi Luwak
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Kopi Luwak – die Kaffeespezialität

Der Kopi Luwak gilt weltweit als einer der exklusivsten Kaffees. Beliebt ist er vor allem aufgrund seines charakteristischen Aromas. Nach meiner Reise durch Indonesien in 2013 kann ich folgendes bestätigen: Er gilt als sehr harmonisch und mild, mit einer betont schokoladigen Nuance. Und zwar unabhängig von der eigentlichen Kaffeesorte oder Bohnenmischung. Dieses äußerst weiche Geschmacksgefühl ist vom ersten Schluck an zu schmecken und kann bis zu drei Stunden nach dem Trinken noch anhalten.

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Für diese besondere Geschmacksnote zeigen sich eben die Schleichkatzen verantwortlich. Beziehungsweise bestimmte Enzyme in der Magensäure und im Verdauungstrakt der Zibetkatzen. Diese unterziehen die Kaffeebohnen einer Nassfermentation im Innern des Katzenkörpers und verändern so die Geschmacksnuancen der Kaffeebohne. Viele ätherische Öle, die für die bitteren Aromen verantwortlich sind, werden den Bohnen entzogen. Die milden, schokoladigen Komponenten behalten sie. Selbst Sorten, die von Natur aus mehr Chlorogensäure enthalten und damit grundsätzlich bitterer sind, werden von diesen Enzymen in süße, harmonische Kaffeebohnen verwandelt.

Exklusiv ist der Kopi Luwak längst nicht mehr

Seinen exklusiven Status verdankt der Kopi Luwak den Anfängen dieser Art der Kaffeegewinnung. Zunächst waren die Schleichkatzen den Kaffeebauern Indochinas nämlich ein Dorn im Auge. Sie sind nachtaktiv und klaubten im Schutze der Dunkelheit völlig ungehindert die saftigsten und reifsten Kirschen von den Kaffeepflanzen.

Weil aber sogar die Wildkatzen gewisse Tischmanieren besitzen, erledigen auch sie ihre Notdurft nicht dort, wo sie essen. Ein findiger – damals wohl eher frustrierter – Kaffeebauer lauerte den Wildkätzchen auf, fand ihre Toilette und sammelte die gestohlenen Kaffeebohnen auf. Er wusch sie, trocknete und röstete sie. Nur um den besten Kaffee zu trinken, den er jemals in seinem Leben getrunken hatte.

Soweit zumindest die Legende.

»Zu seiner Zeit war der Kopi Luwak der Muckefuck Sumatras.«

Tatsächlich soll der deutsche Zoologe Alfred Brehm den Kopi Luwak schon 1883 bei einer seiner Expeditionen kennengelernt haben. Zu seiner Zeit war der Kopi Luwak der Muckefuck Sumatras. Ein Arme-Leute-Kaffee, der von den Einheimischen getrunken wurde, weil der Plantagenkaffee den reichen Kolonialherren vorbehalten war. Wie die Zeiten sich ändern …

Aber völlig gleich, wie genau die Kaffeebauern in Südostasien dem Katzenkaffee auf die Schliche kamen. Mittlerweile hat sich dort ein ganzer Industriezweig herausgebildet. Ganze Schleichkatzenfarmen schießen aus dem Boden. Die Wildtiere werden in engen Volieren gehalten und mit nichts als Kaffeekirschen gefüttert. Das führt bei vielen Katzen zu einer Mangelernährung und gemeinsam mit dem Stress zum Tod.

CafCaf Kaffee Blog, Kaffeeblog: Kopi Luwak
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Wen das ein bisschen an Legebatterien für Hühner erinnert oder Nerzzuchtstationen, der liegt so falsch tatsächlich nicht. Ein einträgliches Geschäft für die Kaffeebauern mag diese Art der Kopi-Luwak-Produktion ja sein. Aber die Exklusivität mit der der Kaffee im Handel angepriesen wird, ist damit obsolet.

Früher wurden die Bohnen noch mühsam von Hand aufgelesen. Mussten die Ausscheidungen der Schleichkatzen auf dem Dschungelboden überhaupt erstmal gefunden werden. Das heutige Szenario gleicht eher einer Massenproduktion. Aber so lange die Menschen bereit sind, für ein Kilogramm Röstkaffee ab 200 € aufwärts (im europäischen Schnitt) zu bezahlen, ist das wahrscheinlich nur der Anfang. Dabei gibt es längst Alternativen!

 

Kopi Luwak, aber irgendwie doch nicht

Wenn man der Studie des kanadischen Wissenschaftlers Massimo Marcone glauben schenkt, passiert im Darmtrakt der Schleichkatzen nichts anderes, als bei einer gewöhnlichen Nassfermentation, bei der Milchsäurebakterien eingesetzt werden, um das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen zu zersetzen.

Und tatsächlich gibt es ein deutsch-vietnamesisches Science-Jointventure, dem es schon 1996 gelungen ist, die sechs Enzyme zu isolieren, die im Bauch der Katzen Kaffeeproteine spalten. Auf Basis dieser Ergebnisse haben sie eine Lösung entwickelt, mittels derer ein künstlicher Kopi Luwak produziert werden kann. 100% Katzenleiden-frei. Der künstliche Kopi Luwak soll genauso schmecken wie der originale Kaffee, kostet aber deutlich weniger. Unter dem Namen Legendee wird er exklusiv beim vietnamesischen Kaffeeproduzenten vertrieben, der die Forschung seinerzeit in Auftrag gab und das Patent für die Enzymlösung hat.

Andere Alternativen zum Kopi Luwak sind speziell zusammengestellte Mischungen. Bohnen mit bestimmten Aromaeigenschaften werden in unterschiedlichen Röstgraden so abgestimmt, dass sie die schokoladig erdigen und weichen Geschmacksnuancen des Kopi Luwak imitieren.

 

Natur statt Schleichkatzenfarmen

Wir wollen euch, bevor wir diesen nachdenklich stimmenden Artikel mit unserer Rubrik »Adieu, Halbwissen« beenden, mit einem Einblick in die herrliche Natur Indonesiens ins Wochenende schicken. Wer die Schleichkatzenfarmen umgeht, kommt mit den schönsten Eindrücken aus gleich zwei Welten nach Hause: Sowohl der über, als auch der unter Wasser. Indonesien kann stolz sein auf eine der besten Schnorchel- und Tauchgebiete weltweit. Dieses Foto entstand in Westpapua, einem unberührten Paradies sehr weit ab der Zivilisation.

Adieu, Halbwissen

Die Enzyme aus den Magen- und Darmsekreten der Schleichkatzen sind übrigens harmlos für den Menschen. Es sind keine schädlichen Bakterien bekannt, die von den Schleichkatzen auf den Menschen übertragbar wären. Der ganze Verarbeitungsprozess der Kaffeebohnen würde ohnehin jedweden Bakterienbefall zerstören.

Kopi Luwak ist keine eigene Kaffeesorte. Eher im Gegenteil, wer 100% Arabica-Kopi-Luwak ersteht, kauft ihn wahrscheinlich aus einer der beschriebenen Zuchtfarmen. Dort werden die Schleichkatzen dann eben ausschließlich mit der Kaffeesorte Arabica gefüttert. Freilebende Zibetkatzen fressen sich einmal quer durchs Kaffeesortensortiment. Damit ist eine ökologisch verträglicher Kopi Luwak eher eine Mischung aus verschiedenen Kaffeesorten – Arabica, Robusta, Excelsa, Liberica – die dann auch in unterschiedlichen Verhältnissen im Kaffee enthalten sind.

Zu den Foto-Credits


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